Stadt des langen Lebens – Stadt für alle Generationen?! (Stadt Arnsberg)

Arnsberg hat in den vergangenen Jahren gelernt, dass die Organisation von Städten des langen und guten Lebens eine neue „kommunale Pflichtaufgabe“ ist. Die intensive Beschäftigung mit dem neuen Altersbild, mit der Initiierung von Netzwerken und mit dem Dialog der Generationen macht unsere Stadt sozial produktiver und lebendiger.

Sie stärkt den sozialen Zusammenhalt und die Solidarität der Generationen. Die Zukunftsagentur/ Fachstelle Zukunft Alter versteht sich als Netzwerker und Impulsgeber in diesem Kontext. Der Workshop gibt einen Einblick, wie professionelle Strukturen mit bürgerschaftlichen Initiativen verknüpft werden können, wie der nachhaltige Dialog der Generationen gelingen kann und wie Netzwerke nachhaltig aufgebaut werden können.

Der Workshop auf der 3. Herbstakademie fand unter sehr reger und aktiver Beteiligung der Teilnehmenden statt. Gute Beispiele, Erfolgsfaktoren und Stolperstein wurden im kollegialen Erfahrungsaustausch heiß diskutiert. Die Essenz der Ergebnisse basieren auf folgenden Kernaussagen, die auf Flipcharts und der Feedbackscheibe festgehalten worden sind:

Die Stadt des langen und guten Lebens?! Die Stadt für alle Generationen?! Wie geht das?

Unsere Gesellschaft und mit ihr unsere Städte und Dörfer stehen in einer historisch einmaligen Entwicklung: Nie zuvor lebten so viele Menschen im hohen Alter wie heute. In Zukunft wird diese Zahl deutlich zunehmen. Wir entwickeln uns zu einer Gesellschaft des langen Lebens, und in ihr entstehen Städte, Dörfer und Quartiere des langen Lebens. An diese werden völlig neue Anforderungen gestellt. Um ihnen gerecht werden zu können, müssen sich diese Städte verändern! Drei Aspekte kennzeichnen diese Veränderung:

  1. Die Bedeutung der Nachbarschaft, des Quartiers, der kleinen Lebenskreise
  2. Die Stärkung der sorgenden Gemeinschaften
  3. Der Dialog der Generationen

Im Workshop haben wir uns auf den dritten Aspekt fokussiert: Auf den Dialog der Generationen.

Ein Dialog setzt auf Kommunikation, auf Austausch, auf Augenhöhe. Durch ihn kann Verständnis für den Anderen entstehen. Insofern ist der Dialog der Generationen kein Instrument zur Lösung aktueller Konflikte zwischen den Generationen, sondern vielmehr ein Programm zur Stärkung humanistischer Werte in der Gesellschaft, ein „großes Experiment sozialen Lernens“, wie Albert Gröschel es auf den Punkt bringt. Hierfür braucht es Gelegenheiten. Die Stadt und das Stadtviertel, die Nachbarschaft sind Orte, an denen Gelegenheiten für Begegnungen geschaffen werden können. Schulen und Unternehmen, Kindergärten und Senioreneinrichtungen können Beziehungen zueinander knüpfen und zur Begegnung einladen. Wenn die unterschiedlichen Einrichtungen eines Viertels, eines Quartiers derartige Beziehungen zueinander pflegen, können sie Gelegenheiten schaffen, in denen der Dialog zwischen den Generationen stattfindet.

Die Stadt als Lern-Ort!

Arnsberg versteht sich als lernende Stadt. Wir erkunden Wege hin zu einer generationengerechten Stadt, in der auch Schwache, Verletzliche, Langsame und Desorientierte ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft behalten. Kitas, Familienzentren, Schulen integrieren Lerninhalte zum Thema Alter, Altersbilder, Demenz etc. in ihren Bildungsauftrag. Kooperationen zwischen Kinder-, Jugend- und Senioreneinrichtungen sind längst etabliert und selbstverständlich.

Die Stadt als Akteur, Impulsgeber, Netzwerker und Initiator

Unser Ziel: Allianzen bilden, Wissen, Haltungen und Werte in der Bevölkerung zu beeinflussen im Sinne einer Solidargemeinschaft. Im Sinne einer sozialen Stadt für alle Generationen. Insofern kreieren wir die Gesellschaft, in der wir morgen leben werden.

Denn „Die Alten“ von morgen, das sind wir selbst!

Eine Stadt für alle Generationen stärkt die Schlüsselkompetenzen der Jugend, die zur Lösung der anstehenden Zukunftsaufgaben notwendig sind. Wichtige Kompetenzen für das Zusammenleben der Generationen lassen sich nicht „unterrichten“, sie müssen „am eigenen Leibe“ erfahren werden, wenn sie nachhaltig wirken sollen. So entwickelt sich Sozialkompetenz, Problemlösungskompetenz und Empathiefähigkeit. Hierfür braucht es passende Rahmenbedingungen: Räume, Gelegenheiten, inner – und außerhalb von Institutionen.

Arnsberg zeigt, was möglich ist, wenn die gesamte Stadt, die Bürgerinnen und Bürger mit den unterschiedlichsten Unternehmen, Verbänden, Vereinen und Initiativen in die gleiche Richtung schauen. Lebendig ist eine Stadt, die Beziehungen zwischen Stadtteilen, Bezirken, Vierteln, Quartiere, Institutionen und Nachbarschaften ermöglicht.

Es klingt so selbstverständlich. Ist es aber nicht! Oder vielleicht doch?

Probieren wir es aus, seien wir mutig und experimentierfreudig. Nutzen wir jede Chance für den Dialog der Generationen, um unser Städte zu verändern. Zukunft geschieht nicht einfach so, Zukunft wird von Menschen gestaltet, die an sie glauben und bereit sind, sie aktiv mit zu gestalten.

Also: Worauf warten wir noch? Es wird höchste Zeit: Starten wir mit Empathie, Elan und Visionen in unsere eigene Zukunft. Gestalten wir mit Phantasie und Kreativität die Stadt des langen Lebens – Die Stadt für alle Generationen!

Zur Autorin:

Marita Gerwin ist Diplom-Sozialpädagogin und leitet die Fachstelle Zukunft Alter der Stadt Arnsberg. Mit dem Konzept „Mehr Lebensqualität im Alter“ reagiert die Fachstelle auf die veränderten Bedürfnisse des gesellschaftlichen Zusammenlebens als soziale Stadt für alle Generationen. Für besonders herausragende Leistungen im Bereich nachhaltiger Engagementförderung gewann die Stadt Arnsberg den Deutschen Engagementpreis 2010 in der Kategorie „Politik & Verwaltung“.

 

Kontakt:

Stadt Arnsberg- Zukunftsagentur, Fachstelle Zukunft Alter
Bürgerzentrum Bahnhof Arnsberg
Clemens-August-Straße 120
59821 Arnsberg
Telefon: 02932/201-2207
Fax: 02932 / 201-2207
m.gerwin@arnsberg.de

www.arnsberg.de


Dieser Beitrag ist Teil der Serie:
Dokumentation 3. Herbstakademie 2014

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