„Wann hat man schon mal die Möglichkeit, ein eigenes Thema in solch einer großen Veranstaltung zu platzieren?“

Im Gespräch mit Gastgeber/-innen der Einheit „Austauschen und Vernetzung“

Um den Teilnehmenden auch außerhalb der Workshops möglichst viel Raum für das Einbringen eigener Themen und Fragen zu geben, probierte das Forum Seniorenarbeit NRW bei der 3. Herbstakademie ein neues Format aus.

Ähnlich wie bei einem Barcamp konnten die Teilnehmenden in der Einheit „Austausch und Vernetzung“ Themen, die ihnen besonders am Herzen liegen, im Plenum vorstellen und andere einladen, sich mit ihnen dazu auszutauschen. Das Forum Seniorenarbeit stellte den Raum, Material und die Zeit zur Verfügung. Die Gestaltung der 45-minütigen Einheit lag in der Hand derjenigen, die das Thema vorgeschlagen hatten.

Ein Austausch fand statt zu u.a. diesen Themen: „Pädagogische Übungen zum Mitmachen“, „Coaching für Ehrenamtsbörsen“, „Oje oje mein Quartier – Wer bezahlt denn das alles hier?“ oder „Pause machen und Innehalten – Durchatmen nach all den Aktivitäten“.

Wir befragten einige der Gastgeber/-innen nach ihren Einschätzungen zu diesem neuen Veranstaltungsformat.

Wie gefiel Ihnen das noch relativ unbekannte, barcamp-ähnliche Veranstaltungsformat? Hatten Sie damit Erfahrung?

Angelika Schlicht, Demografie- und Gleichstellungsbeauftragte Stadt Drolshagen: „Das barcamp-Modell kannte ich überhaupt noch nicht und fand es sehr innovativ und spannend.“

Jörg Saborni, Fachbereich Soziales der Stadt Heiligenhaus: „Dieses Format gefiel mir sehr gut, da ich die Möglichkeit hatte, in kleiner Runde meine Frage zu platzieren. Ich konnte das Thema moderieren und hatte dadurch an viele wichtige Informationen gelangen.“

Annette Scholl, Forum Seniorenarbeit NRW / Kuratorium Deutsche Altershilfe: „Dieses Format gefällt mir sehr gut. Ich hatte es bereits auf einer Veranstaltung selbst erlebt können. Ich bin sehr angetan von diesem offenen Ansatz, beim nicht nur die „üblichen Verdächtigen“ am Start sind und sich möglichst viele an der Programmplanung beteiligen können.“

Julius Völkel, Landesarbeitsgemeinschaft der Seniorenbüros NRW: „Ich hatte bereits von dieser Methode gehört, sie jedoch noch nie erlebt oder eigenhändig ausprobiert. Ich finde diese Methode für die Aufarbeitung spezieller Themen sehr gut. Zum einen bot die offene Form die Möglichkeit, auf unbeantwortete Fragen einzugehen oder „Zu-Kurz-Gekommenes“ vertiefend zu besprechen. Zum anderen war das gemeinsame Interesse, an einer Themen- und/oder Fragestellung zu arbeiten, Ausgangspunkt für einen äußerst konstruktiven Erfahrungsaustausch.“

Welches Thema haben Sie vorgestellt und was haben Sie als Erkenntnis mitgenommen?

Julius Völkel: „Ich habe die Teilnehmenden gebeten, ihre Erfahrungen mit aktivierenden pädagogischen Übungen mit der Gruppe zu teilen. Mein Ziel war es, dass einfach durchzuführende Übungen benannt werden und so zukünftig im Arbeitsalltag integriert werden können. Jeder stellte ein bis zwei Übungen vor, die sie/er für gewinnbringend hielt. Es wurden viele Übungen vorgestellt, in denen durch ein Rollenwechsel eine andere Perspektive eingenommen wurde, z.B. die „Six-Heads-Methode“, das „Kinästhetische Aufstehen“ oder die Kopfstand Methode.“

Angelika Schlicht: „Ich war einen Moment ganz aufgeregt, denn ich konnte plötzlich vor einem profilierten Auditorium eine Idee vorstellen und ausprobieren. Mein Thema war „Coaching für Ehrenamtsbörsen“. Ich bin von Hause aus Coach und Eventmanagerin und mir fällt immer wieder auf, welche Schwierigkeiten Ehrenamtsinitiativen mit der Suche nach Aktiven haben. Mich interessierte, ob sich die Institutionen vorstellen konnten, einen Ehrenamts-Coach zu engagieren, um zielorientiert erfolgreich zu arbeiten.“

Jörg Saborni: „Mein Leitsatz war: ‚Oje, oje mein Quartier- Wer bezahlt denn das alles hier?‘ Es ging um die Finanzierungsmöglichkeiten der Vorstellungen und Wünschen von älteren Menschen im Rahmen von seniorengerechter Quartiersentwicklung. Die Arbeitsgruppe war klein und es konnte sich durch die Themenvorgabe zielgerichtet ausgetauscht werden. Somit konnten potentielle Fördermittelgeber ermittelt werden.“

Annette Scholl: „Pause machen und Innehalten – Durchatmen nach all den Aktivitäten war mein Thema. Und auch der Wunsch anderer Teilnehmender. Als Erkenntnis habe ich mitgenommen, dass selbst beim Innehalten Erfahrungsaustausch stattgefunden hat. Frei nach dem Motto: Man kann nicht nicht kommunizieren!“

Wie lief Ihre Einheit ab? Wie viele Teilnehmende hatten Sie, haben Sie etwas vorgestellt oder haben Sie etwas erfragt? Wie haben sich die Teilnehmenden beteiligt?

Annette Scholl: „Meine Einheit hab ich nicht vorab geplant, sondern sie entsprach meinem Bedürfnis nach Pause nach all den vielen Impulsen und Gesprächen. Wir – d.h. ca. 15 innehaltende Interessierte – haben uns einen schönen Platz gesucht, um Innezuhalten, vielleicht einen Kaffee zu trinken und ein Stück Kuchen zu genießen. Im Verlauf ergaben sich immer mehr Seiten-Gespräche, wie zum Beispiel über die Bedeutung des Innehaltens im U-Prozess nach Dr. Otto Scharmer und einen kollegialen Austausch über die ein aktuelles Problem in einer Begegnungsstätte. Ich hatte den Eindruck, dass sich jede(r) Teilnehmende das genommen hat, was für sie/ihn zum Pausemachen und Innehalten wichtig war.“

Jörg Saborni: „In meiner Arbeitsgruppe waren vier Personen. Zunächst haben wir uns mit unseren beruflichen Inhalten und Positionen in der jeweiligen Institution vorgestellt. Ich habe kurz erläutert, was meine Beweggründe waren, solch eine Arbeitsgruppe zu gründen. Es fand ein reger Austausch statt, welche potentiellen Fördermittelgeber in Frage kommen und wer Anträge stellen kann. Auch über die jeweiligen zeitlichen Ressourcen wurde gesprochen. Dadurch, dass sich alle für dieses Thema interessierten, fand ein reger Austausch statt.“

Julius Völkel: „Ich hatte weniger als Experte, sondern mehr als Fragender in die Gruppe eingeladen. Der Austausch innerhalb der Gruppe fand in einer angenehmen und wertschätzenden Atmosphäre statt, bei dem es keine festgelegte Reihenfolge der Beiträge gab. Vielmehr entwickelte sich eine offene Gesprächsrunde, die aufgrund der Vielzahl der vorgestellten und durchgeführten Übungen, von allen Teilnehmenden, als sehr lebendig erlebt wurde.“

Angelika Schlicht: „Es hatten sich sechs Teilnehmer/-innen eingefunden. Ich habe die Idee und einige Praxisbeispiele vorgestellt. Daraus ergab sich eine spannende Diskussion. Wie finde und binde ich Engagierte? Mit welchen PR-Strategien komme ich an Menschen, die sich ehrenamtliche engagieren wollen? Welche Netzwerke kann ich bedienen? Wie komme ich mit ungewöhnlichen Ideen zum Ziel? Das waren einige Fragestellungen. Es gab eine sehr interessante Diskussion. Ein paar gute Praxisbeispiele wurden benannt, Adressen ausgetauscht.“

Was würden Sie sich als Gastgeber von einem Veranstalter wünschen?

Jörg Saborni: „In unserer Gruppe hat jeder bei Bedarf für sich mitgeschrieben und die Kontaktdaten ausgetauscht, das war ausreichend. Ggf. könnten Materialien (z. B. Stellwand) wichtig sein, ist aber sicherlich vom Thema abhängig. Wichtig ist, die Methode vorab gut zu erläutern, damit die Teilnehmenden sich mit der Möglichkeit auseinandersetzen, ein eigenes Thema zu bewerben.“

Angelika Schlicht: „Ich finde, Ihr habt alles richtig gemacht. Eine tolle Location mit Ambiente ausgesucht, für Leib und Seele war gesorgt. Die Moderatoren waren perfekt, das Timing stimmte. Es gab interessante Referate und Workshops und auch Zeit für Gespräche untereinander. Das ist bei mir wirklich selten, dass ich so gar nichts zu meckern habe.“

Was empfehlen Sie anderen, die dieses Format ausprobieren wollen?

Angelika Schlicht: „Beim nächsten Mal würde ich ausprobieren, es mehr in der „Mitte“ der Veranstaltung zu platzieren. Im Nachhinein kam mir der Zeitraum, der dafür zur Verfügung stand, ein wenig klein vor. Und ich glaube, manche Teilnehmer/-innen waren schon gedanklich auf dem Heimweg.“

Jörg Saborni: „Mutig an die Sache rangehen, denn wann hat man schon mal die Möglichkeit ein eigenes Thema in solch einer großen Veranstaltung zu platzieren?“

Julius Völkel: „Nochmals die Offenheit dieser Methode verdeutlichen und dabei zu betonen, dass derjenige, der das Thema vorgibt, kein Experte sein muss.“

Annette Scholl: „Die Anforderungen, eine Session zu „machen“, nicht zu hoch zu hängen! Es beispielsweise so formulieren, sich mit anderen über eine Frage auszutauschen, die man hat.“

Vielen Dank für das Interview!


Dieser Beitrag ist Teil der Serie:
Dokumentation 3. Herbstakademie 2014

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