Ältere Engagierte nutzen das Internet – Mehr als nur Öffentlichkeitsarbeit

Die Möglichkeiten des Internets gehen weit über Öffentlichkeitsarbeit hinaus. Auch Ältere nutzen das Internet zunehmend zur Organisation ihres bürgerschaftlichen Engagements, zur Artikulation ihrer Interessen, zur Vernetzung mit anderen und zum Informationsaustausch. Dabei entstehen neue Engagementfelder im Internet und im Bereich der Vermittlung von Medienkompetenzen.

Die Fachstelle Älterwerden der Kreisstadt Bergheim hat ein Online-Portal mit und für Ältere initiiert. Anhand dieses Projektes wurden im Workshop die Entwicklungsmöglichkeiten und Problemfelder beleuchtet: Welchen Nutzen bringt das Internet? Wie wird es von den Älteren genutzt? Welche Barrieren gibt es und wie können sie abgebaut werden? Wie kann die Öffentlichkeitsarbeit gestaltet werden? Wie können freiwillig Engagierte und Hauptamtliche in dem Feld zusammen arbeiten?

Vorstellung des Projektes in Bergheim

Das Fachforum Seniorenarbeit in Bergheim ist angegliedert an die Fachstelle Älterwerden der Kreisstadt Bergheim. Das Online-Redaktionsteam besteht aus engagierten Bergheimerinnen und Bergheimern. Die Plattform wurde im Rahmen eines Workshops des Forum Seniorenarbeit im Jahr 2013 entwickelt.

Das Informationsportal versucht die Angebote für ältere Menschen in Bergheim abzubilden und Orientierung zu geben. Was gibt es in Bergheim? Was findet statt? Wer ist für was Ansprechpartner? Es werden vielseitige Informationen zu Themenfeldern des Älterwerdens angeboten. Grundsätzlich ist jeder eingeladen sich an der Redaktion zu beteiligen.

In verschiedenen interaktiven Bereichen (Forum, Chat, Kommentarsystem) werden Vernetzung und Austausch gefördert. Es geht darum Gleichgesinnte zu finden, Mitmacher zu suchen und gemeinsam Lösungswege zu diskutieren.

In einem Terminkalender werden aktuelle Tipps und Termine angeboten. Es können Verabredungen getroffen und Veranstaltungen empfohlen werden.

Mit Hilfe der Plattform werden reale Begegnungen ermöglicht, dies sind beispielsweise, anderen Online-Nutzer in den Internetcafés begegnen, Verabredungen im Chat oder die Mitarbeit im Online-Team.

Hans-Jürgen Knabben stellte das Projekt live anhand der Website und mit Hilfe einer Präsentation vor. Abgerundet wurde die Vorstellung durch das Video eines Raps, der exklusiv mit Jugendlichen der Stadt Bergheim auf einem Stadtfest vorgetragen wurde und das neue Angebot zum Inhalt hatte: „Klick mich, ich bin eine Website“. In Bild und Ton kann der Rap auf der Website noch einmal in Ruhe genossen werden:

www.unser-quartier.de/stadt-bergheim/

In einem Rollenspiel, dass auf der Six Head-Methode basierte, wurde das Projekt im Workshop noch einmal kritisch hinterfragt. Sechs Teilnehmende nahmen die folgenden Rollen ein und diskutierten aus entsprechenden Blickwinkeln: Analytiker, Emotionale, Kritiker, Optimist, Kreative und Strukturierte. Die Frage lautete: Welchen Nutzen hat das Internet für ältere engagierte Menschen? Es konnten sehr schnell sehr viele Pro- und Contra Argumente gefunden werden. Die anschließende Diskussion benötigte dann viel Zeit, um insbesondere die aufgeworfenen Fachbegriffe und Anglizismen für alle Teilnehmenden kurz zu erläutern.

Wie wird das Internet von den Älteren genutzt?- Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

In einem sehr offen geführten Diskurs wurden anschließend die Erwartungen und Wunschvorstellungen der Fachstelle mit den ersten Erfahrungen erörtert.

Nach erster Analyse der Statistiken trat bei dem Online-Team des Fachforum Seniorenarbeit in Bergheim eine gewisse Enttäuschung ein. Die Website muss noch bekannter werden. Im Bereich der Zusammenarbeit mit anderen Akteuren zeigt sich, dass es leicht ist, eine Kurzinformation über Projekte oder ähnliches zu bekommen, die regelmäßige Übermittlung von Termine sich aber erheblich schwieriger gestaltete.

Die Nutzung der interaktiven Bereiche wird nur zögerlich angenommen, hier müssen sowohl Konzept wie auch Zugänglichkeit noch einmal geprüft werden.

Der Bereich der Teilhabe- und Engagementförderung wird sehr positiv angenommen. Insbesondere das Online-Team und die Redaktionskonferenzen bereiten den Beteiligten viel Freude. Das Internet ist für einige Bergheimer/-innen ein innovatives Betätigungsfeld. Es ist interessant und macht neugierig, manchmal aber auch Angst und ist nicht durchschaubar.

Das Online-Team ist ein Treffen von Menschen mit gemeinsamen Interessen. Die Herausforderung für die Zukunft wird es sein, neue Interessierte in die bestehende Gruppe zu integrieren und die möglichen Engagementfelder an den Mann/ die Frau zu bringen

Motivation Hauptamt- „Ehrenamt“

In einer Art Theaterstück präsentierten Hans-Jürgen Knabben und Britta Fuchs dann zum Schluss ihre sechs wichtigsten Beweggründe, das Projekt voranzubringen. Dabei entwickelte sich ihre Körperhaltung von konfrontativ (Rücken an Rücken) hin zu einem Miteinander.

Hauptamt

Freiwilliges Engagement

Es ist mein Job

Ich brauchte unbedingt eine neue Aufgabe, nachdem mir nach 2 Monaten Rentnerdasein die Decke auf den Kopf gefallen ist.

Ein neues Betätigungsfeld für engagierte Menschen schaffen

Suche nach freiwilligem Engagement

Ein innovatives Vorzeigeprojekt für die Stadt Bergheim umsetzen

Chance, Neues zu erlernen

Seniorenarbeit in Bergheim weiter bringen

Berufliches Erfahrungswissen einbringen

Freude an der Zusammenarbeit

Freude, das Projekt zu entwickeln

Spaß, das Projekt zu präsentieren

Spaß, das Projekt zu präsentieren

Die ursprünglich für den Workshop vorgesehene Diskussion zum Abbau der Hürden bzw. zum Erschließen neuer Zielgruppen wurde im Rahmen des Speakers Corner durchgeführt.

Die Ergebnisse zur Frage: „Wie können Barrieren abgebaut werden?“

  • Berührungsängste abbauen
  • Medienkompetenz vermitteln
  • Mediale Öffentlichkeit reflektieren
  • Möglichkeiten (Engagement, Technik) systematisieren und übersichtlich gestalten
  • Offene Zeiteinteilung ermöglichen

Mitwirkende des Workshops:

Referent/-innen:

  • Britta Fuchs, Kreisstadt Bergheim, Fachstelle Älterwerden mit dem Online-Team Fachforum Seniorenarbeit
  • Hans-Jürgen Knabben, Online-Redakteur und Gründungsmitglied des Fachforum Seniorenarbeit

Moderation: Daniel Hoffmann, Kuratorium Deutsche Altershilfe, Projektleiter Forum Seniorenarbeit NRW

Zum Autor:

Daniel Hoffmann ist seit 2005 Projektleiter des Forum Seniorenarbeit NRW mit dem Schwerpunkt der Weiterent­wicklung des bürgerschaftlichen Engagements. Zu den wichtigs­ten Aufgaben gehören vielfäl­tige (durch neue Medien gestützte) Fort- und Weiterbildungen für haupt- und ehrenamtlich Aktive in Nordrhein-Westfalen sowie der Transfer in die Praxis. Derzeitiger Arbeitsschwerpunkt ist die Förderung der Partizipation älterer Menschen unter Zuhilfe­nahme des Internet.

Kontakt:

Kuratorium Deutsche Altershilfe e.V.
Gürzenichstraße 25
50667 Köln
Telefon: 0221/931847-71
daniel.hoffmann@kda.de

www.kda.de

www.forum-seniorenarbeit.de

www.unser-quartier.de


Dieser Beitrag ist Teil der Serie:
Dokumentation 3. Herbstakademie 2014

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