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FIT sein im Alter – Teil 1/3

Sport und Bewegung fördern die Lebensqualität

Unsere Gesellschaft befindet sich auf dem Weg zu einer veränderten Alterskultur: So ist das Alter eine Chance für neue Entwicklungen, ein Lebensabschnitt, der sich sinnvoll gestalten lässt und gestaltet werden will. Die älteren Menschen haben sich in ihrem Anspruch an diese Lebensphase verändert. Sie wollen weiter gestalten, teilhaben und selbst entscheiden. Sport und Bewegung bieten erstklassige Möglichkeiten zur aktiven Lebensgestaltung, bringen Herausforderungen mit sich und schaffen spezielle Erlebnisräume für eine positive Sinngebung. „Bewegung ist ein wesentlicher Schlüsselfaktor und wichtiger Baustein nicht nur für ein gesundes, sondern insbesondere für ein erfülltes Leben bis ins höchste Alter“, sagt Franz Müntefering, der den Landessportbund Nordrhein-Westfalen als Botschafter des Programms „Bewegt ÄLTER werden in NRW!“ öffentlichkeitswirksam unterstützt.

Sportvereine verfügen heute über eine breite Palette an Sport- und Bewegungsmöglichkeiten, die sich sowohl an junge Ältere als auch an Menschen im höheren Lebensalter richten. Eine immer größere Zahl älterer Menschen in NRW hat bereits Zugang zu vielfältigen Angeboten in den Sportvereinen gefunden, die unterschiedliche Sport- und Bewegungsarten, Gesundheit, Fitness, Bildung, persönliche Entwicklung oder Geselligkeit beinhalten. Darüber hinaus lösen neue Trends und Bewegungsangebote, die sich im Seniorenbereich entwickeln, generationenübergreifende Effekte auch auf das Sportinteresse jüngerer Zielgruppen aus. Populäre Beispiele hierfür sind das Walking/Nordic Walking, Radfahren/E-Bike, Aquafitness, wellnessorientierte Angebote, Boule/Petanque. Gerade im Bereich der Fachsportarten gibt es eine Fülle von Möglichkeiten, vorausgesetzt die Sportart wird altersangepasst vermittelt und betrieben. Auch das Deutsche Sportabzeichen und die damit verbundenen Trainingsmöglichkeiten sind für Ältere sehr attraktiv. Auch hier sind die Leistungsanforderungen den jeweiligen Altersgruppen angepasst.

Trotz der hohen Zuwachsraten sportlich aktiver Älterer in den Vereinen und der insgesamt steigenden Bewegungsmotivation der älteren Generation sieht der Landessportbund Nordrhein-Westfalen (LSB NRW) – mit Blick auf die aktuelle gesamtgesellschaftliche Situation – in diesem Bereich dennoch erheblichen Entwicklungsbedarf. „Der weitaus größere Teil der älteren Bevölkerung ist leider immer noch nicht oder eher wenig bewegungs- und sportaktiv. „Dabei ist Bewegung ein absolutes Muss“, betont LSB-Präsident Walter Schneeloch. „Ältere Menschen glauben oft, dass sie neue Sportarten körperlich nicht mehr meistern können. Es verblüfft sie dann immer wieder, was sie doch noch alles umsetzen können“. Schon per Definition fördert der Vereinssport die körperliche wie geistige Beweglichkeit, stärkt das soziale Miteinander und die Gesundheit.

TanzpaarFoto: Andrea Bowinkelmann, LSB NRW.

Vor diesem Hintergrund hat der Landessportbund NRW im Jahr 2011 unter anderem das Programm „Bewegt ÄLTER werden in NRW!“ entwickelt. In diesem Zusammenhang wurde auch mit der Landesseniorenvertretung NRW ein Kooperationsvertrag geschlossen, um die kommunale Verbreitung von Sport und Bewegung für ältere Menschen wirksam zu unterstützen. Inzwischen sind viele weitere Kooperationen und Partnerschaften hinzugekommen, zum Beispiel mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Umgesetzt wird das Programm des Landessportbundes NRW in allen 54 Stadt- und Kreissportbünden und 26 Sportfachverbänden in NRW. Dadurch sind zahlreiche Kooperationen vor Ort zwischen Sportvereinen und anderen Institutionen, zum Beispiel im Bereich der Pflege und Betreuung entstanden, um noch mehr Ältere mit neuen Bewegungsangeboten zu erreichen.

Sport und Bewegung haben positive Wirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden

Sport und Bewegung erzielen in biologischen, psychischen und sozialen Prozessen verschiedene Wirkungen, die sich eindeutig nachweisen lassen:

Sport

  • fördert körperliche Fitness, physisches und mentales Wohlbefinden und Selbstvertrauen
  • hebt die Lebensqualität
  • hat anti-depressive Wirkungen
  • beeinflusst lebensstilprägende Verhaltensmuster positiv
  • senkt Erkrankungsrisiken und zentrale Risikofaktoren (z.B. Herz-Kreislauf-Krankheiten, Typ-2-Diabetes, Rückenbeschwerden, Übergewicht)
  • fördert Behandlungs- und Rehabilitationsprozesse

…in jedem Alter!

Quelle: Gesundheitsberichterstattung des Bundes

Eine darin verbreitete These von Rittner/Breuer bzw. Hollmann besagt: „Im Alter ist Bewegung die einzige wissenschaftlich abgesicherte Methode, den funktionalen Abbau insbesondere der Organe und des Halte- und Bewegungsapparates sowie der psycho-physischen Leistungsfähigkeit aufzuhalten.“ Dazu gibt es folgende Beispiele:

  • 60-Jährige, die vorher keinen Sport betrieben haben, können durch ein dreimonatiges leichtes Ausdauertraining eine Ausdauerleistung erreichen, die den Fähigkeiten untrainierter 40-Jähriger entspricht.
  • Im Rahmen einer amerikanischen Studie nahmen Männer und Frauen im Alter zwischen 70 und 100 Jahren an einem achtwöchigen Krafttraining teil. Der Kraftzuwachs im Bereich Schultern, Brust, Rücken und Armmuskeln betrug bis zu 50 Prozent. Das Krafttraining wirkte sich auch deutlich positiv auf die Geschicklichkeit bei alltäglichen Verrichtungen aus.
  • Bei einer deutschen Studie mit Männern und Frauen im Alter von 77 bis 93 Jahren zeigte sich, dass mit einem Gedächtnistraining, das von körperlichen Fitnessübungen begleitet wird, das Risiko einer Alzheimer Erkrankung deutlich verringert werden kann. (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (Hrsg.): Gesund altern. Schriftenreihe des Bundesministeriums für Gesundheit, Band 146, Baden-Baden 2002: Nomos)

Die positiven Wirkungen von Bewegung und Sport sind wissenschaftlich vielfach belegt und anerkannt. Es kommt allerdings darauf an, dass die individuell richtige Belastung und eine passende sportliche Aktivität gewählt werden. Diese werden am besten gemeinsam mit den Übungsleitenden und ggf. auch dem Arzt/der Ärztin entsprechend der  individuellen körperlichen und gesundheitlichen Voraussetzungen besprochen. Eine zu hohe und nicht altersangepasste sportliche Betätigung kann genauso problematisch sein wie eine zu geringe Belastung, die dann nicht die erwünschten Effekte für die Fitness und Gesundheit erzielen wird.

KanutenFoto: Andrea Bowinkelmann, LSB NRW.

Warum Sport sich so positiv auswirkt und sogar entzündungshemmend wirkt, ist eine spannende Frage der medizinischen Forschung. Ein aktueller Erklärungsansatz: Der arbeitende Muskel funktioniert wie eine Hormondrüse und produziert beim Training spezielle Botenstoffe, die für viele erwünschte Effekte im Stoffwechsel, im Gefäßsystem und im Gehirn verantwortlich sind. Ganz im Gegensatz zum Bauchfett, das negativ wirkende Hormone produziert – und zwar leider auch im Ruhezustand.

Quelle: www.nar.uni-heidelberg.de/service/int_hollmann.html

Je nach persönlicher Zielsetzung bieten sich heute vielfältige Möglichkeiten, aktiv zu sein oder wieder zu werden. Ausreden haben keine Chance und das Schöne ist: Die Trainierbarkeit aller Bewegungsfunktionen ist in jedem Alter gegeben, auch im hohen und höchsten Alter. Somit kann typischen Abbauprozessen aktiv entgegengewirkt werden. Ziel ist es, hierdurch möglichst lange ein erfülltes, weitgehend gesundes, selbstständiges und selbstbestimmtes Leben im Alter zu erreichen. Nach Einschätzung der Wissenschaft sind körperliche Aktivität und Bewegung neben der gesunden Ernährung zentrale Faktoren, sogar Schlüsselfaktoren, für ein „gesundes Altern“.

Dieser Beitrag ist der Teil der Serie "Fit und aktiv im Alter" (September 2017) des Landessportbund NRW. Autorinnen sind Gudrun Neumann und Anke Borhof.

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Daniel Hoffmann

Seit 1995 Mitarbeiter im Kuratorium Deutsche Altershilfe in Köln. Projektleiter des Forum Seniorenarbeit NRW und verantwortlich für den Themenschwerpunkt "Engagement älterer Menschen in der digitalen Gesellschaft".
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Dieser Beitrag ist Teil der Serie:
Fit sein im Alter

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