Kulturarbeit mit Älteren – Kulturgeragogische Projekte schaffen Raum für Miteinander

Workshop 5 der Herbstakademie 2016: Kulturarbeit mit Älteren – Kulturgeragogische Projekte schaffen Raum für Miteinander

Ein Merkmal für qualitativ hochwertige kulturgeragogische Arbeit ist, dass sie dazu einlädt, sich einzubringen und aktiv mit zu gestalten.

Der Workshop „Kulturarbeit mit Älteren – Kulturgeragogische Projekte machen Raum für Miteinander“ hatte die Frage zum Thema, welche kulturgeragogische Haltung und welche Prinzipien Grundlagen für eine Kulturarbeit mit Älteren sind, die auf partizipativem Miteinander fußt.

Imke Nagel begann den Workshop mit einer kurzen Vorstellung von kubia, dem Kompetenzzentrum für Kultur und Bildung im Alter, und der noch jungen Disziplin Kulturgeragogik. In der darauffolgenden Vorstellungsrunde wurde den Teilnehmenden die Aufgabe gestellt, eine Situation zu erinnern, in der sie sich jeweils besonders eingebracht hatten und vorzustellen, was sie dazu motiviert hat, sich in der geschilderten Situation zu engagieren. Die Motive wurden auf einer Metaplanwand gesammelt. Im Folgenden präsentierte Sophie Voets-Hahne mit Hilfe von Plakaten kulturgeragogische Aktivitäten innerhalb ihrer Nachbarschaft: vom intergenerationellen Kunstgespräch über ein internationales Straßenfest mit Musik und Lesungen bis hin zum Sinti-Erzählcafé. Im gemeinsamen Gespräch suchten alle Beteiligten Antworten auf die Frage, was die älteren Teilnehmenden motiviert haben könnte, in den vorgestellten Projekten mitzugestalten. Die Ergebnisse der Diskussion wurden ebenfalls auf den Metaplan-Wänden sichtbar gemacht. Abschließend wurde resümiert, was jede(r) einzelne für sich aus den Ergebnissen mit in den eigenen Arbeitskontext nimmt.

Was muss also eine Kulturarbeit mit Älteren berücksichtigen, um zu Beteiligung einzuladen?

In der abschließenden Diskussion fanden sich dazu folgende Aussagen:

Menschen sind offenbar dann besonders motiviert, aktiv an etwas teilzuhaben, wenn sie das Gefühl haben, dass sie etwas (als positiv und relevant Empfundenes) bewirken können. Betont wurde die Bedeutsamkeit, dass das jeweilige Engagement dem eigenen Interesse und der Person entspricht und ihr Spaß macht. Wichtig scheint dabei zu sein, dass die älteren Aktiven dabei ihrem eigenen Tempo und eigenen Entscheidungen folgen können. Ein anderer Aspekt, der in der Diskussion thematisiert wurde, ist der Wunsch, zu lernen und sich weiter zu entwickeln, evtl. auch die eigene Lebenssituation durch verändertes Handeln neu zu gestalten. Ein Motor kann auch die Möglichkeit sein, Geld zu verdienen. Mehrfach wurde das Erleben von Gemeinschaft als motivierend für ein Sich-einbringen genannt.

Diesen Ergebnissen entsprechend wurden einige Faktoren ausgemacht, die grundlegend für die Umsetzung einer Kulturarbeit sind, die auf partizipativem Miteinander fußt. So sollten Akteure Selbstorganisation zulassen und Raum für „eigene Themen“ der Beteiligten schaffen. Im Workshop sprach eine Teilnehmerin von einer „Kultur der Teilhabe“, die Möglichkeiten schafft zu gestalten. Die Rolle des bzw. der Professionellen ist somit die eines Unterstützers. Dieser, so das Ergebnis des Workshops, sollte die Beteiligten nach ihrer Neugier und ihren Träumen fragen. Dabei wurde Wertschätzung als Schlüsselelement der Haltung der Professionellen genannt. Um zu einer Beteiligung auf Augenhöhe einzuladen, sollte zudem auf Barrierefreiheit geachtet werden. 

Die im Workshop erarbeiteten Ergebnisse entsprechen der Leitkonzeption der Kulturgeragogik, der Ermöglichungsdidaktik. Die Ermöglichungsdidaktik zielt darauf ab, dass der Kulturgeragoge oder die Kulturgeragogin die Rahmenbedingungen bieten, innerhalb derer die Älteren ihren eigenen Fragestellungen und Interessen nachgehen können. Der Kulturgeragoge bzw. die Kulturgeragogin werden also als „Ermöglicher“ verstanden, die die Älteren dabei begleiten mitzugestalten. (vgl. Elisabeth Bubolz-Lutz, Eva Gösken, Cornelia Kricheldorff, Renate Schramek (2010): Geragogik. Bildung und Lernen im Prozess des Alterns. Das Lehrbuch. Stuttgart, S. 132 ff.)

kubia (Kompetenzzentrum für Kultur und Bildung im Alter) ist ein Fachforum für alle, die Kulturelle Bildung und Teilhabe von und mit älteren Menschen ermöglichen. Zu den Aufgaben von kubia gehört es, Kulturanbieter für den demografischen Wandel zu sensibilisieren, sie zu informieren, zu beraten und zu qualifizieren. In der Workshop- und Webinar Reihe KulturKompetenz+ stellt kubia Fachwissen und Praxishilfen für alle bereit, die mit älteren Menschen kulturgeragogisch arbeiten (möchten). Die Teilnehmenden erfahren mehr über altersspezifische Interessen und Bedürfnisse. Dieses Wissen soll sie dabei unterstützen, qualitativ hochwertige Kulturangebote für die stetig wachsende Gruppe der Älteren zu konzipieren.  Mehr Informationen zu kubia finden sich unter www.ibk-kubia.de.

In Zusammenarbeit mit der FH Münster bietet kubia die berufsbegleitende zertifizierte Weiterbildung Kulturgeragogik an. In der einjährigen Weiterbildung lernen Künstlerinnen und Künstler, Kulturpädagoginnen und Kulturpädagogen sowie Tätige in der Altenhilfe und Pflege, wie qualitativ hochwertige Kulturarbeit mit Älteren angeleitet und in die Praxis umgesetzt werden kann. Im Oktober 2017 startet der Masterstudiengang Kulturgeragogik, mit dem das Feld der Kulturgeragogik weiter professionalisiert werden soll. Weiterführende Informationen sind nachzulesen unter www.kulturgeragogik.de.

Imke Nagel ist Dipl.-Kulturpädagogin und zertifizierte Kulturgeragogin. Sie arbeitet als Bildungsreferentin bei kubia, dem Kompetenzzentrum für Kultur und Bildung im Alter im Institut für Bildung und Kultur e.V. und ist dort unter anderem zuständig für die Fortbildungs-Reihe KulturKompetenz+. Ihre Schwerpunkte sind Kulturgeragogik im Sozialraum, die Gestaltung des 3. Lebensalters sowie Methoden der Biografiearbeit.

Sophie Voets-Hahne, zertifizierte Kulturgeragogin, arbeitet freiberuflich als Kunstpädagogin/Kulturgeragogin in Düsseldorf. Sie bietet diverse Workshop-Reihen und Projekte an, darunter „Tatkraft – Programm zur persönlichen Zielfindung und Partizipation in der zweiten Lebenshälfte“, „Dialogische Kunstbetrachtung und Biografiearbeit“ und „Interkulturelle Begegnung Älterer”. Darüber hinaus engagiert sich Sophie Voets-Hahne innerhalb ihres Wohnquartiers im Nachbarschaftsverein Kö-Pi e. V. in der Heinrich-Könn-Siedlung in Düsseldorf.

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