“Rückzug aus dem Leben”

Workshop 9 der Herbstakademie 2016: “Rückzug aus dem Leben”

Im Workshop „Rückzug aus dem Leben“ ging es um Unterstützungskonzepte im Quartier und Wege zur sozialen und gesellschaftlichen Teilhabe.

Am Beginn des Workshops wurde ein kurzer Impulsvortrag am Beispiel der Stadt Mülheim an der Ruhr gehalten (Folie 1-7).

Anschließend wurde ein Rollenspiel durchgeführt, bei dem sich die TeilnehmerInnen in Gruppen aus jeweils drei Personen einteilten und aus der Ich-Perspektive beschrieben, wie sich die Betroffenen fühlen und welche Probleme sie im Alltag haben.

Gruppe 1 (Hör- und Seheinschränkungen):

Menschen isolieren sich, weil sie

  • Angst haben zu fallen
  • Auf Hilfe angewiesen sind
  • Stress empfinden
  • Möglicherweise an einer Depression leiden
  • Sich verunsichert fühlen
  • Die Wege kennen müssen, um nicht ständig zu fragen
  • Keine spontane Unternehmung machen können

Gruppe 2 (Einsamkeit):

Menschen isolieren sich, weil sie

  • Plötzlich alleine leben, weil die Kinder aus dem Haus sind und ihr eigenes Leben leben
  • Möglicherweise Angehörige pflegen und an keinen anderen Aktivitäten mehr teilnehmen möchten („Ich pflege meine Frau, nach ihrem Tod will ich auch nicht mehr“)
  • Ihr soziales Umfeld nach und nach verlieren durch das Wegziehen/Sterben alter Bekannter

Gruppe 3 (Blasenschwäche):

Menschen isolieren sich, weil sie

  • Angst haben, keine Toilette zu finden
  • Scham empfinden, jemand könnte es mitbekommen
  • Sich vor dem Verlassen des Hauses eine Windel anziehen müssen
  • Sich zu Hause am sichersten fühlen
  • Womöglich auch noch gehbehindert sind
  • Eine große Tasche mit Wechselkleidung mitnehmen müssen
  • Probleme bei der Entsorgung der Windel in der Öffentlichkeit haben
  • Finanzielle Probleme durch die nur teilweise Unterstützung der Krankenkassen haben
  • Angst vor einer OP haben

Gruppe 4 (Gehbehindert):

Menschen isolieren sich, weil sie

  • Keine Treppen mehr gehen können
  • Bei Alltagssituationen Hilfe benötigen
  • Plötzlich alles als anstrengend empfinden
  • Stress/Trauer empfinden
  • Nur noch dahin gehen, wo sie sich auskennen
  • Nur barrierefreie Orte besuchen können
  • Viele enge Passagen nicht durchqueren können
  • Den Verkehr als zu hektisch empfinden

Gruppe 5 (Sucht/psychisch krank):

Menschen isolieren sich, weil sie

  • Einen Wegbruch sozialer Kontakte erleben
  • Angst vor dem Bekanntwerden des Problems haben
  • Sich schämen
  • Das Gefühl haben, andere verurteilen sie (Alkohol-Fahne, Kleidung, usw.)

Anschließend wurden die Erfahrungen aus Mülheim a. d. Ruhr vorgestellt (ab Folie 8).

Als nächstes wurden die Gruppen so eingeteilt, dass sich drei Gruppen mit jeweils einem Mitglied der vorherigen Murmelgruppen bildeten. Das Thema der daraus entstehenden Gruppen war die Herangehensweise an das Thema „Rückzug“ aus Sicht der Kommune oder als Funktionsträger.
Zur Veranschaulichung sollten Problemwahrnehmungen auf rotes Papier, Dinge, die in Arbeit sind auf gelbes Papier und mögliche Herangehensweisen sollten auf grünes Papier geschrieben werden. Zusätzlich wurde blaues Papier für neue Ideen/Visionen bereitgestellt.

Zum einen gibt es Fahrdienste, die Menschen mit Geheinschränkungen oder auch Blasenschwäche helfen können. Dazu gibt es zahlreiche Beratungsstellen für Probleme jeglicher Art.
Zum anderen gibt es aber auch die Schamgrenze der betroffenen Person zu einer solchen Anlaufstelle zu gehen. Viele betroffene Menschen wollen sich nicht in einem solchen Gespräch anvertrauen.
Darüber hinaus benötigt es mehr nachbarschaftliches Engagement, um eine isolierte Person ausfindig machen zu können.

In Arbeit sind unter anderem ein demenzfreundliches Quartier, eine verbesserte Biographiearbeit und die Einrichtung eines telefonischen Besuchsdienstes.

Als Ideen für die Zukunft wurde eine WC-App als sinnvoll erachtet, auf der jede öffentliche Toilette verzeichnet ist.

ergebnisseAbschließend wurden die Ergebnisse im Plenum zusammengetragen und ein Fazit gezogen.

Präsentation des Workshops

Moderation
Annika Schulte
, M.A. Gerontologie, Koordinatorin der Landesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros Nordrhein-Westfalen

Jörg Marx, Dipl.-Sozialarbeiter, Sozialplaner der Stadt Mülheim an der Ruhr und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros Nordrhein-Westfalen

Kontakt:
Landesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros NRW (LaS NRW)
c/o Seniorenbüro Ahlen
Wilhelmstr. 5 in 59227 Ahlen
Tel.: 02382-94099714
E-Mail: info@las-nrw.de
www.las-nrw.de

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