Die idealen älteren Ehrenamtlichen und die Wunsch- Hauptamtlichen – Auf dem Weg zu einer Kultur der gelingenden Zusammenarbeit

Frei nach dem Motto „Wünsch dir was“ galt es in diesem Workshop, eine idealtypische Variante eines Haupt- bzw. Ehrenamtlichen zusammenzustellen. In intensiven Diskussionen von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen (in jeweils eigenen Gruppen) wurde gemeinsam überlegt und zum Teil kontrovers diskutiert, was ihn oder sie kennzeichnet. Herausgekommen sind zwei Varianten eines idealen Ehrenamtlichen und eine integrierte Fassung von guten Bedingungen für ehrenamtliches Engagement.

Die / der ideale Ehrenamtliche – Variante 1

Aufrichtig, belastbar, eigenverantwortlich, empathisch, engagiert, flexibel, freudig, für die Aufgabe geeignet, gepflegtes Erscheinungsbild, gepflegte Umgangsformen, Grenzen erkennen, herzlich, kommunikativ, konfliktfähig, loyal, mitdenkend, neugierig, offen, Regeln einhaltend, selbstbewusst, selbstreflektiert, selbstsorgefähig, talentiert, teamfähig, verlässlich, weiterbildungsbereit, wertschätzend, zielorientiert

Die / der ideale Ehrenamtliche – Variante 2

mit Spürnase, offenem Ohr, breitem Kreuz und Intuition sowie den Eigenschaften: kommunikationsfähig, offen, neugierig, teamfähig, wertschätzend, selbstbewusst, flexibel, selbständig, wenig arbeitsaufwändig, lernwillig, reflektionsfähig, belastbar

Der / die Wunsch-Hauptamtliche und gute Rahmenbedingungen für Ehrenamtliche

Aufwandsentschädigung, Begegnung auf Augenhöhe, Respekt, eine interessante Aufgabe bzw. ein interessantes Projekt, Einladung zu allen Terminen, Empathie und Fürsorge, Fortbildungen ermöglichen, für gute Rahmenbedingungen sorgen, gute Erreichbarkeit der Kontaktperson (telefonisch, regelmäßige Treffen, usw.), kein Missbrauch von Ehrenamtlichen, Offenheit gegenüber neuen Vorschlägen, persönliche Begegnungen, Schaffung eines guten Klimas, Supervision / Mediation, Transparenz in Sachen finanzieller Ausstattung, Unterstützung in jeder Beziehung (Geld – Raum – Konzept), Weitergabe aller Informationen, Versicherungsschutz, Wertschätzung und Offenheit

Gute Rahmenbedingungen für hauptamtlich Mitarbeitende in der Zusammenarbeit und Begleitung Ehrenamtlicher

Auf die Frage „Was brauche ich als Hauptamtliche bzw. Hauptamtlicher, um gerne mit ehrenamtlich Engagierten zusammenzuarbeiten, sie zu begleiten und zu unterstützen?“ nannten die Workshopteilnehmer/-innen zahlreiche Rahmenbedingungen. Diese sind erforderlich und haben großen Einfluss darauf, dass das Miteinander funktioniert und sich bei Konflikten Schwierigkeiten beseitigen lassen.

Gute Rahmenbedingungen – Zusammenstellung 1

Anerkennungskultur im Leitbild, Austausch, Begeisterung, bei Bedarf Alternativangebote, das Recht, „Nein!“ zu sagen, Ehrgeiz, Erfolge, Fachliteratur, finanzielle Ressourcen, Fortbildungen, Freiräume, Geduld, Gemeinsame Ziele, Impulse von außen, klare Aufgabenbeschreibung, kollegiale Beratung, Kompetenz Hauptamtliche, Kontinuität, kooperative Hauptamtliche, kooperative, nette Ehrenamtliche, Kreativität der Hauptamtlichen, kritische Ehrenamtliche, materielle Ressourcen, Räumlichkeiten, Rollenverteilung und -klarheit, Rückendeckung von Vorgesetzten, Supervision, Toleranz, Vertrauen in eigene Fähigkeiten, Vielfältigkeit, wertschätzende Ehrenamtliche, Zeit, Zusammenarbeit regeln, zielorientiert

Gute Rahmenbedingungen – Zusammenstellung 2

Offenheit, gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung, Weitsicht, Souveränität, Qualifizierung und Reflektion, Empathie und Feingefühl, Lebenserfahrung, Authentizität, Augenhöhe (Wie Du mir, so ich Dir…), Blick für Grenzen des Ehrenamtes / Überforderung – kein „billiger Ersatz“ fürs Hauptamt, Menschenbild, Verlässlichkeit, Kontinuität, Neugierde, Interesse, Durchhaltevermögen, Gelassenheit, Kreativität und Flexibilität

Hin zu einer Kultur des Miteinanders

In der Diskussion stellte sich gleich zu Beginn heraus, dass sich die Kennzeichen des Hauptamtlichen und des Ehrenamtlichen sehr ähneln. Der ideale Ehrenamtliche und der Wunsch-Hauptamtliche machen in der überzogenen Darstellung deutlich, dass nicht alles möglich ist und dementsprechend ein Ideal bzw. ein Wunsch bleibt.

Um aber zu einer gelingenden Kultur des Miteianders kommen, sind folgende Aspekte wichtige Erfolgsfaktoren:

Innehalten

Organisationen, Institutionen, usw. sollten sich vorab Zeit für folgende Fragenstellungen nehmen, bevor sie freiwilliges Engagement ermöglichen:

  1. Wollen wir wirklich bürgerschaftliches Engagement in unserer Einrichtung, Institution? Sind wir uns bewusst, dass die Unterstützung und Begleitung Ehrenamtlicher Zeit beansprucht und nicht nebenbei funktioniert?
  2. Haben wir Zeit für die Unterstützung, Begleitung sowie den Austausch? Wenn ja, wie viel Zeit können wir dafür verwenden? Wer ist intern zuständig für die Begleitung?

Die förderlichen Rahmenbedingungen sind gemeinsam (mit Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden) auszuhandeln und festzulegen. Mitgestaltung sollte nicht eine inhaltsleere Phrase bleiben, sondern mit Leben gefüllt werden.

Wertschätzung

Eine wichtige Voraussetzung für Wertschätzung ist die Wahrnehmung und das Hineinversetzten in den Anderen. Dieser Rollen- bzw. Perspektivwechsel macht das Verhalten u.U. verständlicher und ggf. fällt es leichter, es anzunehmen.

Vielfalt

Es gibt nicht die Ehrenamtliche bzw. den Ehrenamtlichen. Ehrenamtliche zeichnen sich durch ihre Verschiedenheit aus, die von Ehrenamtlichen reichen, die strikte Vorgaben benötigen und von freiwillig Engagierten, die frei entscheiden sowie eigene Ideen verfolgen. Diese Vielfalt gilt es bei einer gelingenden Kultur des Miteinanders zu berücksichtigen.

Außerdem ist zu berücksichtigen, dass freiwillige Engagement an den vielfältigsten Orten wie Pflegeheim, Begegnungsstätte, kommunale Einsatzfelder stattfindet. Je nach Einsatzort gibt es auch verschiedenste Rahmenbedingungen für ehrenamtliches / freiwilliges Engagement.

Austausch und Kommunikation

Es muss Zeit und Raum für Austausch und Kommunikation vorhanden sein. Ist sie nicht vorhanden bzw. wird sie sich nicht genommen, dann erhöhen sich die Wahrscheinlichkeiten für Missverständnisse, Enttäuschung, Frust und Konflikte.

Das ehrenamtliche Angebot muss zur Person passen und auch zum Kontext passen, in der das freiwillige Engagement stattfindet (Personen- und Gegenstandsadäquat)

Transparenz

Ehrenamtliche sind aus den unterschiedlichen Beweggründen engagiert, verbinden vielfältige Erwartungen und Hoffnungen mit ihrem Engagement. Es gilt für Ehren- und Hauptamtliche, sich darüber offen auszutauschen und dem Gegenüber verständlich zu machen. Denn werden Erwartungen und Hoffnungen nicht ausgesprochen, wirken sie sich dennoch auf das Verhalten aus. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, Beziehungs- und inhaltlicher Ebene voneinander zu trennen und sie zu unterscheiden.

 

Zur Referentin und Autorin:

Annette Scholl ist seit 1993 Referentin im Kuratorium Deutsche Altershilfe. Sie hat ein Diplom in Soziale Arbeit und den Titel Magistra Europastudien (MES). Ihre inhaltlichen Schwerpunkte im KDA sind gemeinwesenorientierte Seniorenarbeit, internetgestütztes Lernen und Arbeiten in Gruppen sowie Gleichbehandlung älterer Menschen. Gemeinsam mit Daniel Hoffmann und Gabi Klein gestaltet sie das Projekt „Forum Seniorenarbeit NRW“. Als ausgebildete E-Tutorin verantwortet sie die Konzeption und die Durchführung von Blended-Learning-Workshops sowie den Aufbau und die Entwicklung virtuell gestützter Netzwerke.

 

Kontaktdaten:

Annette Scholl
Kuratorium Deutsche Altershilfe
Wilhelmine-Lübke-Stiftung e.V.
Gürzenichstraße 25, 50667 Köln
Tel.: 02 21/931847-72
annette.scholl@kda.de

www.kda.de


Dieser Beitrag ist Teil der Serie:
Dokumentation 3. Herbstakademie 2014

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