Niedrigschwellige Angebote schaffen – Zugänge zur Digitalisierung für ältere Menschen

Paula Manthey, Forum Seniorenarbeit NRW, Kuratorium Deutsche Altershilfe,
Christine Freymuth, Forum Seniorenarbeit NRW, Kuratorium Deutsche Altershilfe

Dieser Beitrag ist Teil der Dokumentation der FSA NRW LogoFrühjahrsakademie 2021 des Forum Seniorenarbeit NRW.

Die Bedeutung von digitalen Kompetenzen im Alter wurde während der Corona-Pandemie besonders deutlich. Innerhalb der Seniorenarbeit bedeutet dies, dass Angebote und Projekte notwendig sind, die die Älteren insbesondere bei den ersten Schritten in die digitale Welt begleiten und unterstützen. Es gibt bereits solche Angebote, leider jedoch zu wenige.

Häufig fehlen ehren- sowie hauptamtlichen Mitarbeiter*innen Ideen, wie solche Projekte kreativ und niedrigschwellig gestaltet werden können. Genau hier setzt der Workshop des Forum Seniorenarbeit NRW an.

In diesem Workshop wurde erarbeitet, welche Themen und Rahmenbedingungen eines Projektes einen niedrigschwelligen Zugang zur Digitalisierung für ältere Menschen ermöglichen. Nach einem theoretischen Einstieg wurde gemeinsam in zwei Padlets gearbeitet.

Hintergründe zu „Digitalisierung und ältere Menschen“

In einem ersten Abschnitt wurden Zahlen und Fakten rund um das Thema „Digitalisierung und ältere Menschen“ vorgestellt. Ein Blick in die Zukunft verdeutlichte, dass es auch zukünftig von enormer Wichtigkeit sein wird, Unterstützungs- und Begleitangebote für die Zielgruppe der älteren Menschen, die sich auf digitale Themen und Techniken beziehen, zu gestalten. Ergänzend wurden die Besonderheiten von „Lernen im Alter“ dargestellt, insbesondere auch die Motivatoren und die Gründe, warum Lernen im Alter anders und besonders wichtig ist. In einem dritten Schritt wurden die beiden vorherigen Aspekte zusammengeführt und so die Besonderheiten der „Schulhöfe der Älteren“ im Kontext digitaler Themen vorgestellt. Digitales im Alter zu erlernen beinhaltet viele Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Barrieren, denen durch bestimmte Rahmenbedingungen und Formatanpassungen der Angebote entgegengewirkt werden kann.

Gemeinsames Arbeiten im Padlet (Teil 1)

In einem ersten gemeinsamen Arbeitsprozess wurden sechs Rahmenbedingungen benannt und die Teilnehmenden gefragt, welche Ideen sie dazu haben und wie die entsprechenden Rahmenbedingungen eines Angebotes ausgestaltet werden können, um die Zielgruppe der älteren Menschen anzusprechen:

Themen:

  • Nutzen muss klar kommuniziert werden
  • Zielgruppenspezifische Ansprache
  • Bedarfsabfrage der Zielgruppe
  • Themenvorschlag: Ahnenforschung digital

Ressourcen:

  • Ältere Menschen als Mitgestaltende, nicht nur Angebots-Empfangende
  • Möglichkeiten eines Sponsorings bei Unternehmen anfragen
  • Motivierte Helfer*innen gewinnen und schulen
  • Familienangehörige einbeziehen
  • Schaffung von öffentlich zugänglichen Internetzugängen
  • Beratungsstrukturen schaffen (Informationen über bestehende Angebote)
  • Hauptamtlicher Rahmen, feste Ansprechpersonen

Hard- und Software:

  • Ältere Geräte sammeln und aufbereiten

Räumlichkeiten:

  • Bestehen Räumlichkeiten und Infrastruktur nutzen (z.B. Kulturläden, Schulen, Jugendzentren, MGH, Pfarrheim, Café, Quartierstreff, Sporthallen)
  • bestimmte Grundausstattung ist notwendig

Öffentlichkeitsarbeit:

  • bekannte Wege gehen (Tageszeitung, Wochenblatt)
  • Seniorenbeirat, Jugendbeirat, Schulen
  • Orte des täglichen Bedarfs,
  • gezielter Einwurf in Briefkästen, Handzettel
  • Vernetzungsgremien
  • Internetseiten der Stadt/ der Quartiere
  • Seniorenheime
  • Mund-zu-Mund-Propaganda im Sozialraum
  • Kirchliche Einrichtungen

Barrieren:

  • Sprache und Fachbegriffe
  • Einsamkeit und Ängste als Hemmnisse
  • Geld (sensibler Umgang mit finanziellen Barrieren)

Rahmenbedingungen (Zusammenfassung der Arbeit im Padlet)

Gemeinsames Arbeiten im Padlet (Teil 2)

Im zweiten Teil wurde gemeinsam mit Fallbeispielen gearbeitet. Zu unterschiedlichen Barrieren (nach Kubicek & Lippa, 2017) wurden unterschiedliche Fälle mit entsprechenden Herausforderungen und Bedarfen entwickelt. Die Teilnehmenden sammelten gemeinsam Lösungsansätze, welche Rahmenbedingungen entsprechende Angebote brauchen und wie die Personen in den einzelnen Fällen an digitale Techniken herangeführt werden können.

Screenshot des Padlet-Bildschirms
Fallbeispiele bearbeiten (im Padlet)

Fallbeispiele (Zusammenfassung der Arbeit im Padlet)

Als Fazit des Workshops lässt sich festhalten, dass das Alter(n) vielfältig und heterogen ist, sodass es nicht das eine Angebote für alle gibt. Unterschiedliche Zielgruppen bringen verschiedene Bedarfe, Bedürfnisse und Motivationen mit, sodass es unterschiedliche Begegnungsräume braucht. Wichtig ist, Ermöglichungsstrukturen zu schaffen und die älteren Menschen selbst bei den Ausgestaltungen der Angebote und den entsprechenden Rahmenbedingungen einzubinden.

Präsentation zum Workshop

Links zum Workshop

Methodenkoffer Forum Seniorenarbeit NRW, Ideen und Anregungen zur Gestaltung von Lernszenarien in der Seniorenarbeit, Website aufrufen

D21 Digital-Index 2020/2021, Jährliches Lagebild zur Digitalen Gesellschaft, Website aufrufen

BAGSO-Publikation, Wie Bildung im Alter gelingt, Website aufrufen

Letzte Aktualisierung: 15. April 2021

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