„Erfolgreiche Quartiersarbeit von Sportvereinen: Aktives Ehrenamt macht den Unterschied!“

Workshop 02 der Herbstakademie 2017: „Erfolgreiche Quartiersarbeit von Sportvereinen: Aktives Ehrenamt macht den Unterschied!“

Bewegt ÄLTER werden im Quartier: Die Gesichter hinter den Erfolgsgeschichten

Seit Herbst 2015 fördert der Landessportbund Nordrhein-Westfalen mit dem Projekt „Bewegt ÄLTER werden im Quartier!“ Quartiersinitiativen des organisierten Sports. In den vergangenen zwei Jahren wurden zahlreiche Quartiersprojekte erfolgreich umgesetzt. Doch wer sind die Gesichter hinter den erfolgreichen Quartiersprojekten in den NRW-Sportvereinen, Stadt- und Kreissportbünden und Sportfachverbänden? Und welche Tipps haben sie für andere Sportorganisationen parat, die in einem Quartier Initiativen starten wollen?

Antworten auf diese Fragen gab es beim Workshop „Erfolgreiche Quartiersarbeit von Sportvereinen: Aktives Ehrenamt macht den Unterschied!“

Burkhard Ladewig ist einer der vielen Ehrenamtler, die in ihrem Sportverein immer wieder für nachhaltige Impulse sorgen und die Weiterentwicklung ihres Vereins im Fokus haben. Burkhard Ladewig, Vorsitzender des TV Wanne 1885 e.V. aus Herne, hat gleich mehrere Tipps für erfolgreiche Quartiersarbeit parat: „Ältere Menschen möchten in gewohnter Umgebung möglichst optimal versorgt sein. Ein Quartier muss daher für Ältere attraktiv sein. Im Rahmen des demografischen Wandels müssen Sportvereine bedarfsorientierte, altengerechte Angebote implementieren, möglichst nach vorheriger Analyse mit Netzwerkpartnern (z.B. Quartiersentwicklern) und sich mit diesen regelmäßig austauschen.“

Auch Susanne Fuchs, Vorsitzende der DJK Blau-Weiss Annen e.V. aus Witten, weiß um die Bedeutung der Vernetzung mit Partnern im Quartier: „Vernetzung ist das A & O. Ein Quartier lässt sich nur aus sich selbst heraus entwickeln, mit den Menschen, die dort wohnen, arbeiten oder ihre Freizeit verbringen. Deshalb ist Bürgerbeteiligung und die Vernetzung mit starken Partnern sehr wichtig. Wir haben in den letzten Jahren kleine Arbeitsgruppen gegründet, die sich mit unterschiedlichen Themen im Quartier befassen. Wohnen, Verkehr, Sport und Bewegung. Daraus ergeben sich immer wieder neue Perspektiven für Projekte – auch für den Sport.“ Susanne Fuchs weiß wovon sie spricht. Ihr Verein engagiert sich seit vielen Jahren in der Quartiersarbeit. Gemeinsam mit dem Kreissportbund Ennepe-Ruhr, dem Verschönerungsverein Hohenzollernviertel, der Seniorenvertretung Witten und weiteren Partnern hat der Verein 2016 den Bau einer frei nutzbaren Boulebahn realisiert. Diese hat sich im Quartier Hohenzollernviertel zum Treffpunkt für Jung und Alt entwickelt.

Ein Jahr früher hat die Turngemeinde Schildesche e.V. aus Bielefeld ihre Quartierinitiative gestartet.  Gemeinsam mit der BGW Bielefelder Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft und dem Quartiersbüro der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Bielefeld e.V. hat der Verein 2015 das Projekt  „MiatrollMobil im Alter trotz Rollator“ ins Leben gerufen. Unter Anleitung der Projektinitiatorin Petra Tödheide, 2. Vorsitzende des Vereins und erfahrene Rollator-Trainerin, lernen Seniorinnen und Senioren den sicheren Umgang mit dem Rollator. Das Rollatortraining wird mit Bewegungs- und Mobilisierungsübungen sowie Gleichgewichts-, Kraft- und Ausdauertraining verknüpft. Doch bis ein Quartiersprojekt ins Rollen kommt muss Überzeugungsarbeit geleistet werden, so Petra Tödheide: „Es braucht viel Zeit und einen langen Atem, um andere von einer neuen, innovativen Projektidee zu überzeugen.“

Dass Quartiersprojekte vor allem dann funktionieren, wenn sie im Team entwickelt und realisiert werden, macht  Hartmut Knappmann vom Sport für bewegte Bürger Gladbeck e.V. deutlich: „Die systemische und partizipative Arbeitsweise ist die entscheidende Grundvoraussetzung für eine innovative und auf die Zukunft gerichtete Vereinsarbeit.“ Der 1. Vorsitzende des Vereins ergänzt: „Unser Verein legt großen Wert auf eine nachhaltige Weiterentwicklung seiner Angebote im Bereich Sport der Älteren. Wichtig ist, dass dies unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Senioren erfolgt. Ein gutes Beispiel sind die Interviews zu den Bedürfnissen im Quartier. Die Fragen hierzu wurden von den Älteren selbst formuliert. So konnten sie authentisch auf die Menschen im Stadtteil zugehen und durch persönliche Ansprache erreichen.“ Die Befragungsergebnisse hat der Verein zur Entwicklung von passgenauen, bürgerorientierten, wohnortnahen Angeboten zur Gesundheitsförderung unter Berücksichtigung der sozialen, integrativen, kreativen und geselligen Komponenten des sozialen Altensports genutzt.

Auch Hans-Heinrich Topp, Vorsitzender des ATV Geilenkirchen e.V. weiß um die Bedeutung wohnortnaher Bewegungsangebote im Alter: „Das Angebot sollte ortsnah sein, am besten vor der Haustür.“  Grund genug für den Verein, sich an der vom Land NRW und Kreissportbund Heinsberg geförderten Quartiersentwicklung in Geilenkirchen-Bauchem mit zwei wohnortnahen Angeboten zu beteiligen. Der Verein legt bei den beiden Angeboten „Gymnastik mit Entspannungselementen“ und „Erlebnisspaziergänge durchs Quartier für Jung und Alt“ großen Wert auf die soziale Komponente, so Hans-Heinrich Topp: „Das Angebot sollte sportlich nicht zu anspruchsvoll erscheinen, es sollte aber auch die soziale Komponente erkennbar sein, denn man will ja auch mit anderen in Kontakt treten und sich unterhalten.“ Ein letzter Tipp vom Vereinsboss: „Auch das Raumangebot ist ein Faktor. Eine große Turnhalle schreckt ab, ein etwas kleinerer, eher gemütlicher Raum wirkt eher anziehend (Altenzentrum, Begegnungsstätte etc.).“

Beim Schachsport sind kleine, gemütliche Räume ein wichtiges Element bei der Sportausübung. Ulrich Wolf, Vorstandsmitglied beim Schachverein Wattenscheid 1930 e.V. weiß aber auch, dass es wichtig ist, sich öffentliche Räume für den Sport zu erschließen und diese Angebote in der Öffentlichkeit bekannt zu machen: „Für die Implementierung von Quartiersprojekten ist es von größter Wichtigkeit, sie in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, besonders durch Veröffentlichungen in den Printmedien (Lokalteil der Tageszeitung oder dem örtlichen Stadtspiegel). Wir wollen gemeinsam mit dem Wattenscheider Seniorenbüro und dem Stadtsportbund Bochum ab dem nächsten Frühjahr die Gartenschach-Anlage im Stadtgarten Wattenscheid wieder aktivieren.“

Zum Abschluss des Workshops ermutigte Moderator Dirk Schröter die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Fußstapfen von Burkhard Ladewig, Susanne Fuchs, Petra Tödheide, Hartmut Knappmann, Hans-Heinrich Topp und Ulrich Wolf zu treten. Wer weiß, vielleicht wird der oder die ein/e oder andere in Kürze mit seinem bzw. ihrem Verein auch in der Quartiersarbeit aktiv? Den Landessportbund Nordrhein-Westfalen würde es freuen!    

Zum Autor und Moderator des Workshops:

Dirk Schröter ist seit 22 Jahren im Sportmanagement tätig. Der selbstständige Sportmarketingberater  und studierte Diplom-Sportökonom (Universität Bayreuth) ist autorisierter Berater des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen. Seit November 2015 betreut er das Projekt „Bewegt ÄLTER werden im Quartier!“ gemeinsam mit Patrick Krone vom Kreissportbund Märkischer Kreis.

Zur Präsentation des Workshops

Alle Beiträge der Dokumentation der Herbstakademie 2017

Michael Ganter

Michael Ganter

Seit 2016 studentischer Mitarbeiter im Kuratorium Deutsche Altershilfe in Köln. Projektassistenz des Forum Seniorenarbeit NRW für die Bereiche DigiBE und LeNa
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