Rollenspiel „Perspektivwerkstatt Bürgerschaftliches Engagement im Quartier“

Workshop 04 der Herbstakademie 2017: “Engagement im Quartier entwickeln” – Ideenbörse und Erfahrungsaustausch zur Aktivierung von bürgerschaftlichen Engagement

Zur Vorbereitung auf die diesjährige Herbstakademie kam uns in den Vorgesprächen die Idee eine Methode vorzustellen, die die Teilnehmenden ggf. gleich in Ihrem Arbeitsalltag praktizieren können. Im Kontext Quartier werden insbesondere die Quartiersmanager/innen häufig mit unterschiedlichen Sichtweisen und Interessen konfrontiert. Ziel dieses Rollenspiels sollte es sein eine Methode einzuüben, die es auf relativ einfache Weise ermöglicht die Sichtweisen von anderen einzunehmen.

Ein Szenario könnte es sein, zu Beginn einer Quartierswerkstatt beispielsweise dieses Rollenspiel mit den Akteuren durchzuführen.

Methodenbeschreibung

Dauer ca. 90-120 Minuten

Personen: ca. 15

Materialien zur Vorbereitung

  • Phasenmodell (Aufwärmen, Spielphase, Entlassungsphase, Reflexion)
  • Beschreibung des Szenarios
  • Beschreibung der Rollen
  • Erkennungsmerkmale der Personen (etwas zum Umhängen, Tischkarte oder …)

Szenario

Der/die Quartiersmanager/in aus Hagenbeck (8.000 Einwohner) lädt an einem Donnerstagabend im Oktober in den Ratssaal zu einer Perspektivwerkstatt ein. Hagenbeck ist Teil der Kommune Neustadt im ländlichen Raum mit ca. 30.000 Einwohnern.

Die Bedarfserhebung im Stadtteil hat ergeben, dass sich die Bürgerinnen und Bürger mehr weniger Hundekot auf den Straßen und Spielplätzen, kein Müll am Schulweg und in den örtlichen Naherholungsgebieten, mehr Freizeitmöglichkeiten und kulturelle Veranstaltungen, Begegnungsräume, Alltagshilfen, barrierefreiheit im öffentlichen Raum und eine bessere Busanbindung an das Stadtzentrum wünschen. Außerdem solle das äußere des Stadtteils gepflegter werden.

Eingeladen wurden Bürgerinnen und Bürger des Ortes und relevante Akteure aus dem Viertel/Quartier).

Ziel der Perspektivwerkstatt soll es sein mit dem/der Quartiersmanager/in Möglichkeiten zu erörtern diese Wünsche anzunehmen und Perspektiven für deren Realisierung zu erörtern.

Leider ist die Kommune Neustadt fast mittellos und befindet sich in Haushaltssicherung. Die halbe Stelle des Quartiersmanagers wird durch ein Förderprogramm finanziert und es steht ein kleiner Topf (5.000 EUR jährlich, Verfügungsfond) für Sachmittel zur Verfügung.

Rollen

  • Spielleitung
  • Der/die Quartiersmanager/in
    • Moderation
    • Protokollant
  • Ortsvorsteher einer Partei (68 Jahre)
    • langjähriger CDU-Politiker
  • Eine junge Aktivistin des örtlichen Naturschutzbunds
  • Eine alleinerziehende Mutter zweier Kinder, die halbtags im Einzelhandel in der Stadt arbeitet
  • Die Pfarrerin der Kirche im Stadtteil
  • Der Heimleiter des örtlichen Pflegeheims
  • Der Vorsitzende des Bürgervereins Hagenbeck
    • außerdem Ratsherr der SPD
  • Der Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft
  • Die Sprecherin des Ausschusses für Soziales
  • Der Jugendtrainer des Fußballvereins 1. RSV Hagenbeck
  • Filialleitung der Stadtteilbibliothek Hagenbeck
  • Filialleitung der örtlichen Sparkasse
  • alle weiteren sind Bürger/innen

Stundentafel

Minute

Inhalt

Methode

Material

0

Begrüßung – Vorstellung – Erwartungen

Plenum

Drei Hashtags#:

Name, Organisation/Ort, Anliegen/Erwartungen

Moderationskoffer

Flipchart

Stellwände

Szenario Rollen auf A4 zum Verteilen

15

Spielvorstellung:

– Szenario vorstellen

-Rollen verteilen: festgelegte Rollen, alle anderen sind engagierte Bürger*innen

Plenum: Tischreihen in U-Form

Moderator/Spielleiter: Daniel

Quartiersentwickler: Ingo

Vorbereitete Flipcharts

Rollenschilder

 

 

25

1. Quartiersrunde

Begrüßung

Vorstellung der Bedarfserhebung und des Verfügungsfonds

Prioritäten der Runde zu den verschiedenen Themen

Positionierung der einzelnen Beteiligten

Karten, Stellwände

 

 

 

Karten auf Stellwände

Priorisierung

 

 

 

 

Moderationskarten

Klebepunkte (60 Stück)

40

Drei Fragen:

  1. Welche Ideen haben Sie zur Konkretisierung des jeweiligen Themas?
  2. Wie können bürgerschaftlich Engagierte in die Thematik einbezogen werden?
  3. Welche Unterstützung kann Ihr Verein/Initiative/Organisation/Amt einbringen bzw. wie schätzen Sie selbst den Bedarf ein?

 

 

Fragen auf Flipchart: jede Frage auf eine einzelne Seite

70

Zusammenfassung und Vereinbarungen:

Nächste Schritte und Verabredungen innerhalb der Gruppe

Plenum: Quartiersmanager erarbeitet mit Plenum eine Zusammenfassung

Punkte auf Flipchart notieren

Flipchart

80

Abschluss Rollenspiel

Rolle an der Garderobe abgeben

 

85

Diskussion der Methode

Erfahrungen austauschen

Plenum:

 

90

Ende

 

 

Rückblick

Zunächst einmal überraschte uns die Resonanz auf den Workshop, der als einer der ersten ausgebucht war. Wir hatten die Befürchtung, dass der Begriff “Rollenspiel” ablehnend aufgenommen würde.

Im Workshop selbst ließen die Teilnehmenden sich größtenteils direkt ohne große Umschweife auf die Rollen ein und es entwickelte sich eine angeregte und zum Teil auch kontroverse Diskussion.

Bei einer Umsetzung im Quartier müsste das oben ausformulierte Szenario sowie die teilnehmenden Akteurinnen und Akteure allerdings auf die reale Situation im Quartier angepaßt werden.

Der zeitliche Rahmen war etwas zu knapp. Es fehlte am Ende eine Reflexion des Erlebten und der Diskussionsthemen.

“Der Workshop war sehr interessant, aber auch sehr anstrengend.”

resümierte eine Teilnehmerin beim Abendessen.

Lesetipp:

Modelle, Instrumente und Methoden der informellen Bürgerbeteiligung

Kontakt:

Ingo Behr: ingo.behr@kempen.de

Daniel Hoffmann: daniel.hoffmann@kda.de

Alle Beiträge der Dokumentation der Herbstakademie 2017

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