Das ZWAR Netzwerk Lohmar

Hans Werner Witt, ZWAR Netzwerk Lohmar

„Welche Aktivitäten sind in den vergangenen 14 Tagen durchgeführt worden?“ Diese Frage stellt der Moderator im Basistreffen des ZWAR Netzwerkes Lohmar nach der allgemeinen Begrüßung, der Geburtstagsnachlese und dem sich Erkunden nach Erkrankten. Nun werden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorgestellt, was sie unternommen haben und wie es ihnen gefallen hat. Es soll vor allem denen, die nicht dabei waren, ein Eindruck vermittelt werden, was sie verpasst haben, um sie für eine ähnlich neue Aktivität zu gewinnen.

ZWAR bedeutet „Zwischen Arbeit und Ruhestand“ und findet seinen Beginn mit den Zechenstilllegungen in den 1970er Jahren und den daraus resultierenden Massenentlassungen. Man wollte die Kompetenz der „jungen Alten“ erhalten, diesen neue Perspektiven aufzeigen und den Menschen ab 50 Jahren für die gesellschaftliche Teilhabe und Partizipation neue Ziele geben. Von Dortmund aus breitete sich diese Bewegung, verstärkt mit der erstmaligen Förderung des ZWAR-Projektes durch das Land NRW 1984, in die Region und ins Land aus. Zurzeit gibt es in NRW 171 ZWAR Netzwerke mit 1775 Interessen- und Projektgruppen (Stand 31.12.2014).

Heute spricht ZWAR die Menschen an, die im Ruhestand sind oder gehen, deren Kinder das Haus verlassen haben und die einen anderen, neuen oder erweiterten Lebensinhalt suchen.

Die ZWAR-Netzwerke bieten ihnen dafür Alternativen und sind für viele Interessen offen. Hier sind sie im losen Zusammenschluss gleichberechtigt, haben keinen Leiter sondern Moderatoren. Sie können selbst bestimmen, was für sie gut ist, sich mit Vorschlägen für gemeinsame Unternehmungen einbringen, sich für andere engagieren und sich selber zum Moderieren anbieten.

Das ZWAR-Netzwerk Lohmar besteht seit 8 Jahren und hat 40 Mitglieder, davon 25 Frauen, 8 Paare und 6 Personen, deren Partner kein Mitglied ist. Das jüngste Mitglied ist 60 und das älteste 78 Jahre alt.

Die Aktivitäten

Die von der Gruppe selbst entwickelten Aktivitäten umspannen Wanderungen, Bowling, Walking, Radtouren, Tagesfahrten, Mehrtagesfahrten, Theaterbesuche, englische Konversation, Vorträge und einiges mehr. Zu diesen Veranstaltungen finden sich je nach Interessenlage 5 bis 20 Personen. Ausgenommen sind der monatliche Stammtisch, die Planwagenfahrten, das Sommerfest, die Weihnachtsfeier und die Mehrtagesfahrten, an denen mehr als 25 Mitglieder teilnahmen. Besonders hervorzuheben sind die beiden Mehrtagesfahrten auf Weingüter an der Mosel und an die Nahe mit einer Draisinentour entlang des idyllischen Glantals in der Südpfalz.

Gemeinsam mit den ZWAR-Netzwerken Köln-Pesch und Hennef und unter deren Leitung besuchte man Holiday on Ice in der Köln-Arena, das Phantasialand in Brühl und den Landtag in Düsseldorf. Dafür ist von den Lohmarern eine Mehrtagesfahrt mit der Karl-Arnold-Stiftung zum Europäischen Parlament in Straßburg für weitere 6 Netzwerke aus dem Kölner Raum organisiert worden. Diese Veranstaltungen sind von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern besonders gut angenommen worden.

Einen guten Anklang fanden auch die Besuche der Ordensburg Vogelsang, des Observatorium Hoher List und einer Glockengießerei in der Eifel sowie von Duisburg-Marxloh mit der Hochzeitsstraße und der Moschee. Letztere Aktivität wurde von den Hennefern übernommen, nach dem Motto, das Rad nicht zum zweiten Mal zu erfinden.

Vernetzung in Lohmar und mit anderen ZWAR-Netzwerken

Kulturelle Veranstaltungen, der Besuch des Contra-Kreises in Bonn, die Kölsche Weihnacht in Bergisch Gladbach, Besuch der Weihnachtsmärkte in Trier oder Limburg bildeten die Grundlage, sich mit anderen Vereinen und Organisationen in Lohmar zu vernetzen. Einerseits können damit freie aber zu bezahlende Plätze aufgefüllt werden, andererseits können neue Kontakte geknüpft und Erfahrungen genutzt werden. Das gleiche gilt auch für die Verknüpfung mit anderen ZWAR-Netzwerken in der Region. Nur so konnte die Fahrt zum Europäischen Parlament in Straßburg realisiert werden, sonst wäre die Mindestanzahl an Teilnehmerinnen und Teilnehmern nicht zu Stande gekommen.

Bürgerschaftliches Engagement

Das ZWAR-Netzwerk hat sich fest integriert in Lohmar und ist ein gesellschaftlicher Bestandteil der Stadt geworden. Letzteres zeigt sich auch darin, dass die Stadt dem Netzwerk kostenlos Räumlichkeiten in der Villa Friedlinde für seine Veranstaltungen zur Verfügung stellt. Auch erhält die Stadt von der Gruppe Unterstützung durch deren ehrenamtliches Engagement. Bereits ehrenamtlich Tätige haben andere aus der Gruppe nachgezogen. Aus der Gruppe sind zurzeit insgesamt 18 Mitglieder ehrenamtlich tätig. Auf der Regionalkonferenz der ZWAR Netzwerke aus dem Regierungsbezirk Köln im März 2013, die in Lohmar stattfand, wies Bürgermeister Wolfgang Röger in seiner Begrüßungsrede auf das Leben und die Begegnungen in der Villa Friedlinde und die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hin, die sich für soziale Projekte in ihrer Kommune engagieren und so eine wertvolle Hilfe mit ihrem Engagement für die Stadt der Generationen, wie sich die Stadt Lohmar auch nennt, sind.

Sie engagieren sich für soziale Projekte und in ihrer Kommune und beleben die Nachbarschaft. Der demografische Wandel fordert neue Formen der Beteiligung älterer Menschen, um die Lebensqualität in ihrem Stadtteil zu fördern.

Dies ist auch eins der Ziele von ZWAR, die Arbeit mit benachteiligten Gruppen, wie mit sozial benachteiligten älteren Menschen oder älteren Menschen mit Behinderungen, sowie auch mit Schülern und Auszubildenden, die der Anleitung bedürfen. Die ZWARler engagieren sich im Kinderschutzbund, bei der Betreuung von Demenzkranken, als „grüne Damen“ im Krankenhaus, bei der Schüler- und Aufgabenhilfe, beim Kaffeeklatsch mit Senioren, bei wöchentlichen Wanderung mit Senioren, bei der Ausbildungshilfe, um nur einige zu nennen.

Hilfeliste

In den Basistreffen des ZWAR Netzwerkes Lohmar wird alles ausführlich diskutiert und nachbearbeitet, damit jeder daran teilhaben kann. Eine Ausnahme ist die Hilfe untereinander, die nicht im großen Kreis besprochen wird. Es existiert eine Hilfeliste für Notfälle, die vom ZWAR-Netzwerk Hennef übernommen wurde, in der die ZWARler Fahrdienste, Rasenmähen, Bügeln, Krankenbesuche, Hunde ausführen, Einkaufen im Krankheitsfall, Hilfe bei Behördengängen, Fahrten zum Bahnhof ober Flughafen anbieten. Solche Hilfen oder Hilfeersuchen bilden einen festen Pfeiler der Gruppe.

Resümee

Auf der bereits erwähnten Regionalkonferenz 2013 in Lohmar hatte das ZWAR-Netzwerk Lohmar einen ausführlich Einblick in die bereits angesprochenen ehrenamtlichen Tätigkeiten, in die Geselligkeiten, seine Aktivitäten, Projekte, den gemeinsamen Besuch von kulturellen Veranstaltungen und die gemeinsamen Reisen oder Kooperationsveranstaltungen mit anderen ZWAR-Netzwerken gegeben. Die sich daran anschließende Diskussion und der Austausch der Erfahrungen bestärkten die Lohmarer in ihrem Gruppenleben für Selbstbestimmung, gegenseitige Unterstützung, Selbstorganisation und bürgerschaftliches Engagement.

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