Das war die Frühjahrsakademie 2022 (Rückblick mit Quiz und Screenshots)

Die diesjährige Frühjahrsakademie des Forum Seniorenarbeit NRW wurde zum zweiten Mal in ein digitales Format übertragen. Was auf der einen Seite die Vorfreude getrübt hatte, brachte aber auch neue Möglichkeiten mit sich. Wir konnten insgesamt 230 Anmeldungen verbuchen, die Veranstaltung kostenlos durchführen und zahlreiche Teilnehmer*innen außerhalb NRWs begrüßen.

Das diesjährige Leitthema widmete sich den verschiedensten Facetten digitaler Angebote der Senior*innenarbeit, wie die Praxis auf die Herausforderungen der Corona-Pandemie reagiert hat, was angeboten wurde und konnte, sowie was sich bewährt hat.

Gleich zu Beginn begrüßte Minister Karl-Josef Laumann mit einer Mut-machenden Video-Botschaft. Anschließend ging es mit einem fachlichen Impuls von Bernd Josef Leisen, Universität Vechta, weiter, der die Teilnehmenden vor seinem Erfahrungshorizont in die Thematik einführte. In seinem Vortrag zielte er insbesondere auf die Ansprache und Motivlage von engagierten Menschen und zugleich von älteren Menschen als Zielgruppe der „digitalen Angebote“ ab.

Im Kern der Frühjahrsakademie, dem voneinander lernen, wurde in drei Impulsrunden an insgesamt neun unterschiedlichen Themen gearbeitet. Diese reichten von digitalen Angeboten aus dem kirchlichen Kontext, über die Situation der Engagierten vor Ort bis hin zur Gestaltung kultureller Angebote. In allen neun Themen wurde nicht nur ein Impuls der Gestalter*innen geboten, sondern auch viel Zeit für Diskussion und Austausch genutzt. Die Teilnehmer*innen konnten ihre ganz individuellen Erfahrungen mit digitalen Projekte und der Zielgruppe Senior*innen während der Corona-Pandemie teilen, sich untereinander an der ein oder anderen Stelle vernetzen und gemeinsam von- und miteinander lernen.

 

Themenreihe 1:

Thema 1: Hybride Großveranstaltungen am Beispiel von Gottesdiensten
(Familie Dörr, Evangelische Kirchengemeinde Haan)

Die evangelische Kirchengemeinde Haan hat sich schon sehr früh darauf eingelassen, Gottesdienste per Youtube zu den Gläubigen und Interessierten nach Hause zu streamen. Im Workshop wurden verschiedene Stufen der Entwicklung skizziert. Dies ging von der Öffentlichkeitsarbeit, über den kontinuierlichen Ausbau der Übertragungstechnik bis hin zu einem offenen Austausch über Fehler, die insbesondere in der Anfangsphase auftauchten und gemacht wurden.

Auch während des Workshops wurden die Themen per Video transportiert und waren die Türöffner für angeregte Rückfragen und Diskussionen.

Kirchengemeinde Haan

Thema 2: Verstehen und verstanden werden – Digitalthemen verständlich und zugänglich
(Robin Rengers, Der Paritätische Essen)

Getreu dem Motto, dass es nicht immer IT-Spezialist*innen braucht, um digitale Themen verständlich zu erklären, entwickelte Robin Rengers gemeinsam mit den Teilnehmenden eine Ideensammlung. Nach einem kurzen Impulsvortrag wurde gemeinsam auf einer digitalen Pinnwand gearbeitet. Anhand gezielter Fragestellungen konnten die Teilnehmenden die eigenen Kenntnisse, Spezialgebiete und Ziele reflektieren, um so das eigene Profil zu schärfen. Anschließend wurde gemeinsam erarbeitet, was die Zielgruppe der älteren Menschen ausmacht und worauf es bei der Erklärung digitaler Themen ankommt. Dies stellte die Grundlage für erste gemeinsame Ideen und Methoden dar, wie dies gelingen kann.

Der Paritätische Essen

Thema 3: Lern-Tüte und Digitaltandem – Der leichte Einstieg für SeniorInnen in die digitale Welt
(Dr. Hermann Neumann, Seniorennetzwerk „Wir sind Haan“)

In diesem Thema stellte Herr Dr. Neumann das Projekt „Lern-Tüte und Digitaltandem“ vor, welches 2021 den Goldenen Internetpreis gewonnen hat. Den Teilnemenden wurde ein Blick „hinter die Kulissen“ des Projekts ermöglicht, welche konzeptionellen Überlegungen zugrunde liegen und wie diese konkret umgesetzt wurden. Hr. Dr. Neumann legte anschaulich dar, welche Gelingensfaktoren er in der Projektumsetzung sieht, an welchen Stellen Ansätze auch noch einmal umgedacht werden mussten, warum das Projekt für alle Teilnehmenden ein großer Mehrwert ist und so viel Freude bringt und warum die hinter der „Lerntüte“ eine „Wundertüte“ steckt.

Neben einem kurzen Impuls wurde gemeinsam an einer digitalen Pinnwand gearbeitet. Hier wurden u.a. mögliche Kooperationspartner für ein solches Projekt gelistet, sowie anschlussfähige Projektideen skizziert. Die Teilnehmer*innen waren vom Projekt, der konkreten und detaillierten Beschreibung der Umsetzung und der Freude, mit der Herr Dr. Neumann das Projekt vorstellte, begeistert.

Seniorennetzwerk Wir sind Haan

Themenreihe 2:

Thema 4: Kulturelle Teilhabe älterer Menschen im digitalen Raum – und was es dafür braucht!
(Karin Siepmann und Christine Gediga, Team „Digital Guides for Golden Agers“, BerufsWege für Frauen Wiesbaden; Dorothee Lemme und Torsten Anstädt, Huma_K)

Die Gruppe aus Wiesbaden präsentierte in einem anregenden Workshop ihr Angebot, dass mitten in der Pandemiezeit entstanden und gewachsen ist. Während des Workshops kamen auch Teilnehmende zu Wort, die die Angebote bereits nutzen. Damit die Teilnehmenden sich aber wirklich  vorstellen konnten, wie sich die digitalen Kulturangebote anfühlen, wurde vom Künstler Felix Römer eine spezielle Mitmach-Sequenz eingebaut. Methodisch wurde der Workshop mit einer Mitmach-Sequenz auf einem Miro-Board gebleitet.

Das Angebot „Die gute Stunde“ ist Ende April 2022 auch in NRW erlebbar.

Die Gute Stunde in NRW

Thema 5: Digitalisierung und Gesundheit im Quartier
(Dr. Kirsten Kemna, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, ZWAR e. V.)

In diesem Thema stellte Fr. Dr. Kemna, basierend auf Ihren Erfahrungen, insbesondere auch aus Praxisprojekten, das Thema „Gesundheit im Quartier“ im Kontext der Digitalisierung dar. Die zugrundeliegende Frage war, wie das Thema Gesundheit Senior*innen nähergebracht werden kann und welche Formate der Wissensvermittlung dafür geeignet sind.

Sie leitete ihren Kurzimpuls mit der Frage ein, ob Gesundheit und Digitalisierung einen Widerspruch darstellen und spiegelte, dass die Gesundheitsförderung und auch die Stärkung digitaler Medienkompetenz von Senior*innen im Quartier das Ziel zahreicher Projekte ist.

Ihr Impuls beinhaltete u.a. folgende Themen:

    • Altenbericht und ein Sortierungsansatz
    • Zentrale Projekte zur Förderung der Gesundheitskompetenz und der digitalen Medienkompetenz
    • Formate der Wissensvermittlung

Im Anschluss wurden mittels digitaler Zusammenarbeit drei Fragen beantwortet, geclustert und zum Schluss dargelegt und diskutiert.

ZWAR e.V.

Thema 6: Diskussionsraum zum Thema „Interessierte erreichen – Engagement fördern“
(Michaela Lukas, Referentin offene Seniorenarbeit, Caritasverband für die Stadt Essen e.V.; Sarah-Jo Petig, Referatsleitung offene Seniorenarbeit, DRK Kreisverband Essen e.V.)

Die beiden Referentinnen Michaela Lukas und Sarah-Jo Petig eröffneten den Teilnehmenden mit Thema 6 einen offenen Diskussionsraum zur Förderung des Engagements. Insbesondere widmeten sie sich der Frage, welche Wege der Ansprache gegangen werden können, um zum Engagement bereite ältere Menschen (wieder) zu erreichen. Denn die Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie haben in vielen Fällen dafür gesorgt, dass die Menschen ihr Engagement für einen langen Zeitraum nicht mehr ausüben konnten.

Nach einem Impulsvortrag, in dem die Referentinnen das Engagement näher beleuchteten und von ihren praktischen Erfahrungen aus unterschiedlichen Projekten der Senior*innenarbeit in Essen berichteten, lag ein besonderer Fokus auf dem gemeinsamen Austausch. Drei Fragen bildeten die Grundlage für den Diskussionsraum:

    • Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
    • Wie sieht Ihre derzeitige Situation aus?
    • Was sind Gelingensfaktoren für die Ansprache und Gewinnung von Engagierten?
    • Antworten zu den jeweiligen Fragen wurden auf einer digitalen Pinnwand gesammelt, die anschließend als Gesprächsgrundlage genutzt wurde

Caritasverband Essen | DRK Essen

Themenreihe 3:

Thema 7: Rückblick auf die Corona-Zeit aus verschiedenen Perspektiven – Wie haben wir die Zeit überbrückt und sind in Kontakt geblieben? Erfahrungen auf örtlicher und landesweiter Ebene (Edeltraut Krause und Karl-Josef Büscher, Landesseniorenvertretung NRW e. V.)

Edeltraut Krause und Karl-Josef Büscher stellten den Teilnehmenden des Themas 7 die Strukturen der Landesseniorenvertretung NRW vor und beleuchteten anschließend ihre Erfahrungen und Erkenntnisse aus der digitalen Zusammenarbeit in einem landesweiten Netzwerk. Das Tandem aus den beiden Vorstandmitgliedern der Landesseniorenvertretung NRW stellte sich der Frage, wo besondere Herausforderungen aber auch Potenziale lagen und liegen und welche Rolle digitale Formate in Zukunft ihrer Arbeit spielen.

Neben einem Impulsvortrag der Referent*innen lag der Fokus auf einem offenen Austausch mit den Teilnehmenden, um gegenseitig von den Erfahrungen auf örtlicher und landesweiter Ebene zu profitieren. Die Teilnehmenden schätzten eine offene und ehrliche Atmosphäre im gemeinsamen Austausch sowie reflektierte Einblicke in die Erfahrungen der Referent*innen.

Website der Landesseniorenvertretung NRW

Thema 8: Virtuelles Dialog-Café für Senior*innen bietet Corona die Stirn und erschließt digitale Welten
(Sebastian Arens, Deutsche Telekom)

Im Thema von Sebastian Arens begann es gleich zu Beginn „turbulent“. An einem Padlet wurde mittels einer Methode, die der Impulsgeber „Himmel und Hölle“ benannte, zunächst einmal gesammelt, wie sichergestellt werden kann, dass ein virtuelles Event garantiert langweilig, nutzlos und als reine Zeitverschwendung empfunden wird. Seitens der Teilnehmenden konnte auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz zurückgegriffen werden.

Nach einer Präsentation, die den Verlauf des Projekts und einige Aktivitäten wiedergab, kam es zu einem offenen Austausch und zahlreichen Fragen, die unter anderem auch von einer Teilnehmerin und einem ehrenamtlichen Technik-Begleiter beantwortet wurden. Für die Teilnehmenden war es von besonderem Interesse, wie die Initiierung des Projekts verlief und wie über den langen Zeitraum das Interesse aufrechterhalten wurde.

LinkedIn Rückblick von Sebastian Arens

Thema 9: Frauen erobern den digitalen Raum – von analog zu digital!
(Christina Vetter, Verbands-, Bildungs- und Projektreferentin bei der Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V.)

Frau Vetter lieferte in Thema 9 einen Blick über den Tellerrand hinaus, welche Angebote und Aktivitäten die Evangelische Frauenhilfe schafft. Schnell wurde deutlich, dass das Portfolio deutlich vielfältiger ist, als die Teilnehmer*innen dies eingangs erwartet haben.

Im Rahmen ihres Impulses wurden insbesondere die digitalen Angebote für ältere Frauen dargestellt, die sich über die Corona-Pandemie hinweg entwickelen. Sie beleuchtete ehrlich, welche Herausforderungen und Hürden zu Beginn gegeben waren – seitens der Seniorinnen und auch seitens der hauptamtlich verantwortlichen Personen, wie diese aus dem Weg geräumt wurden und welches Selbstverständnis vorherrscht. Immer wieder wurden die Vorurteile gegenüber älteren Frauen im Bereich Technik und Digitalisierung benannt, aber auch die eigene Unsicherheit sich selbst gegenüber, digitale Angebote durchzuführen.

Konkrete digitale Beispiele innerhalb der Evangelischen Frauenkirche zeigten deren Entwicklung, von eher mit wenig technischem Aufwand dargestellten Gottesdiensten draußen hin zu professionell durchgeführten hybriden Formaten.

Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V.

Im Rahmenprogramm wurden zahlreiche Aktivitäten angeboten. Diese reichten von einem Quiz über das Forum Seniorenarbeit, über Vernetzungsmöglichkeiten per ad hoc Videokonferenzen bis hin zu einem Trickfilm der Trickfilm-Macherinnen „Fabi-Film-Frauen“ mit Interview. Die Fabi-Film-Frauen standen für Fragen zum Film zur Verfügung und zeigten in einem „Making-Of-Video“, welche Schritte von der Idee des Trickfilms hin zur Umsetzung und Fertigstellung mitgedacht und gegangen werden müssen. Die Macherinnen zeigten eins sehr eindrücklich: Manchmal muss man mutig sein, neue Wege gehen und Neues ausprobieren, um selbst über sich hinaus zu wachsen und zu sehen, was alles an Möglichkeiten warten.

Quiz spielen

Mit der Möglichkeit Kommentare zum Quiz und der Idee Lerninhalte über Quize zu transportieren, abzugeben.

Den Abschluss der zwei aufschlussreichen Tage bildete ein Impuls von Dr. Janina Stiehl (BAGSO/Digitalpakt Alter) mit einem Ausblick in zukünftige Entwicklungen. Sie verdeutliche, welche Vision für die Senior*innenarbeit 2030 – im Bezug auf Digitalisierung – vorliegen, die sich insbesondere auch in den Stellungnahmen der BAGSO wiederfinden.

In Ihrem Vortrag wurden u.a. die Fragen

  • Wie kann ein Zukunftsszenario aussehen?
  • Welche Unterstützung ist notwendig und was können Organisationen der Senior*innenarbeit leisten? und
  • Was kann beitragen werden, älteren Menschen digitale Teilhabe zu ermöglichen und die passenden Begleit- und Unterstützungsformate für ältere Menschen anzubieten?

thematisiert.

Die Teilnehmer*innen der Frühjahrsakademie stellten im Nachgang eine Vielzahl an Fragen und interessierten sich insbesondere für das Projekt Digital Kompass und die vielfältigen Arbeitsmaterialien der BAGSO.

Wir danken allen Teilnehmenden für das durchgängige Engagement und die konstruktiven Beiträge, den Impulsgeber*innen für Engagement und Flexibilität und dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen als Fördergeber, dass wir eine solche Veranstaltung durchführen konnten.

„Auch nach der Pandemie wird die digitale Teilhabe älterer Menschen ein wichtiger Baustein und zugleich Herausforderung zur Schaffung gleichberechtigter Lebensverhältnisse aller Menschen in Nordrhein-Westfalen bleiben. Die sich schnell wandelnden Technologien werden unser Leben weiter verändern. Auch die Zivilgesellschaft muss weiter gestärkt werden, um Praxis-Partner und Gesprächspartner bei der Gestaltung zukünftiger Entwicklungen unserer Gesellschaft sein zu können.“ Mit diesen Worten beendete Daniel Hoffmann, Projektleitung des Forum Seniorenarbeit NRW, die Frühjahrsakademie 2022.

Die Dokumentation der Veranstaltung in Form der genutzten Videos, Präsentationen und Links aus dem Publikum (Chats) werden wir im Rahmen unseres Themenmonats im Juni 2022 bereitstellen.

Weitere Vernetzungsmöglichkeiten, Impulse und fachlicher Erfahrungsaustausch organisieren wir im Rahmen der Netzwerktage in den Regierungsbezirken von Ende April bis Mitte Mai 2022. Neue Teilnehmende sind herzlich willkommen.

Am 8. September 2022 findet der zweite Fachtag des Forum Seniorenarbeit NRW in Mülheim an der Ruhr statt. Thematisch werden wir uns mit den digitalen Möglichkeiten von der Gewinnung, über die Begleitung bis hin zur Anerkennung bürgerschaftlichen Engagements in der Senior*innenarbeit auseinandersetzen.

Letzte Aktualisierung: 4. April 2022

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