Ergebnisse einer Befragung zur Nutzung und Planung digitaler Werkzeuge in Sozialraum und Nachbarschaft

Für die Planung der zukünftigen Projektarbeit des Forum Seniorenarbeit NRW im Themenfeld „Digitale Ideen für Sozialraum und Nachbarschaft“ möchten wir uns möglichst nah an den Interessen der Praxis und den Wünschen der älteren Menschen selbst orientieren. Darüber hinaus interessiert uns der aktuelle Wissens- und Umsetzungsstand in den Organisationen, die mit älteren Menschen arbeiten. Aus diesem Grund haben wir eine Online-Umfrage durchgeführt.

Die kleine Befragung zum aktuellen Stand der Digitalisierung wurde im Zeitraum Oktober bis Dezember 2018 in Organisationen und Initiativen des Arbeitsfeldes durchgeführt (Etwa 60 Teilnehmende). Ziel dieser Umfrage war es, einen besseren Überblick über den Ist-Zustand im Arbeitsfeld zu erhalten.

Von den befragten Personen waren bzw. sind selbst bereits knapp 70 Prozent ehrenamtlich tätig. Es wurden Personen aus unterschiedlichsten Organisationen und Initiativen befragt, oder auch in Kommunen tätige Menschen. Hervorzuheben ist hier, dass nicht nur Akteure aus der Seniorenarbeit berücksichtigt wurden, sondern auch aus anderen Arbeitsfeldern wie beispielsweise aus der Flüchtlingshilfe und Kinder- und Jugendarbeit. Der Großteil der befragten Personen übernimmt eine Funktion innerhalb einer solchen Organisation. Die Organisationen sind entweder einem Wohlfahrtsverband angeschlossen, sind in freier Trägerschaft oder stellen freie Initiativen dar.

Insgesamt herrscht ein Interesse an den vier Themenbereichen, die innerhalb unserer Arbeitsgruppen abgedeckt werden. Das größte Interesse besteht an der Arbeitsgruppe Nachbarschaft und Nachbarschaftshilfe.

Gewünschte Schwerpunkte in der Seniorenarbeit?

Innerhalb der Umfrage wurde u.a. erfragt, welche allgemeinen Schwerpunkte in der Seniorenarbeit als wesentlich und wichtig erachtet werden, und was innerhalb dieser Schwerpunkte fokussiert werden sollte.

Im Bereich der Kommunikation von und mit älteren Menschen wird die Kommunikation als menschliches Grundbedürfnis angesprochen. Kommunikation kann als soziale Teilhabe definiert werden und gegen Einsamkeit wirken. Ebenfalls wird seitens der befragten Personen angemerkt, dass digitale Kommunikation die Teilhabe von Zuhause aus für immobile Menschen ermöglichen kann. Weiter wird die Kommunikation von und mit älteren Menschen als Informationsgewinn gesehen. Das Gespräch mit älteren Menschen sollte in den Vordergrund rücken, da so ein Miteinander ermöglicht wird und Gemeinschaft gestiftet werden kann.

Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation spielt ebenfalls eine wichtige Rolle im Arbeitsfeld Seniorenarbeit. Die Darstellung von Informationen für ältere Menschen die Möglichkeit, sich über bestimmte Themen individuell zu informieren und auf einem aktuellen Wissensstand zu sein. Hier ist es für die Befragten besonders wichtig, Zugänge zu Informationen zu ermöglichen und so auch einen Zugang zu Hilfsangeboten jeglicher Art zu gewährleisten.

In der Befragung stelle sich weiter heraus, dass der Wunsch nach Vernetzung und Kooperation zwischen den Organisationen bzw. einzelnen Akteuren im Arbeitsfeld besteht. Die Befragten sehen die Möglichkeit voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen. Voraussetzung dafür ist es, Konkurrenzdenken abzubauen und so Ressourcen bündeln zu können und Synergieeffekte zu erzeugen. Durch die Vernetzung kann das vielfältige Angebot der einzelnen Initiativen, Organisationen und Kommunen sichtbar werden, woraus sich für die Zielgruppe der älteren Menschen ein umfassender Informationsgewinn ergibt.

Neben der Vernetzung zwischen den Akteuren besteht der Wunsch nach Vernetzung innerhalb der Organisationen. Einzelne Projekte können so verknüpft und Schnittstellen identifiziert werden. So besteht innerhalb der Organisationen die Chance, Abläufe zu optimieren und Ressourcen (z.B. Zeit und Personal) einzusparen. In diesem Kontext wird seitens der Befragten auch das Stichwort effiziente Kommunikation genannt.

Im Zuge der Dienste und Services in der Seniorenarbeit ist es für die befragten Personen besonders wichtig, dass konkrete Angebote mit konkreten Zielen formuliert und erbracht werden. Ferner sollten besonders digitale Angebote auch die Zielgruppe der immobilen älteren Menschen berücksichtigen und ansprechen. Ebenfalls ist es für die an der Befragung teilgenommenen Personen von Wichtigkeit, die Angebote in die Öffentlichkeit zu tragen und zugänglich zu machen.

In Ergänzung dazu, spielen die Begriffe Partizipation und Mitgestaltung im Rahmen der Seniorenarbeit eine wichitge Rolle.

Plattformen zur Kommunikation und Vernetzung

Ein weiterer Frageblock der Umfrage beinhaltet die Frage(n), welche Plattformen zur Kommunikation und Vernetzung bekannt sind und welche genutzt werden. Online-Netzwerke die bekannt sind und auch (teilweise) genutzt werden sind

  • Facebook,
  • Twitter,
  •  Xing,
  • Instagram,
  • Nachbarn.de und
  • Nebenan.de.

Neben diesen Online-Netzwerken ist bereits eine Vielzahl an Messengern bekannt:

  • Facebook Messenger,
  • Telegram,
  • Threema,
  • Whats App,
  • Skype und
  • Signal.

Die Tabellen zeigen eine Auswahl der Antworten. Es wird deutlich, dass bereits digitale Möglichkeiten zur Vernetzung und Kommunikation bekannt sind und auch genutzt werden. Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass die digitalen Werkezuge häufiger im privaten Rahmen als im beruflichen Kontext genutzt werden.

Ansprüche an die Nutzung von Software

An die Nutzung von Software werden besonders folgende Ansprüche gestellt (die Ansprüche werden mit sinkender Nennungshäufigkeit aufgelistet):

  • Einfache Bedienung,
  • Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben,
  • kostenlos,
  • weite Verbreitung,
  • guter Support durch den Hersteller,
  • Unterstützung in der Bedienung muss durch Bekannte und KollegInnen möglich sein und
  • Verfügbarkeit von Handbüchern/ Online-Anleitung.

Die Befragten wurden u.a. gebeten, Praxisbeispiele zu benennen, die digitale Werkzeuge gewinnbringend einbringen und als Orientierung dienen können. Teilnehmende der Umfrage gaben an, selbst erfolgreich Messenger zu nutzen, um intern zu kommunizieren. Weiter bieten bereits einige Organisationen Webseiten an, auf denen sie Interessierte über ihr Angebot informieren. Einige der explizit benannten Praxisprojekte werden kontaktiert und ggf. in unsere Datenbank auf unserer Website mit aufgenommen.

Herausforderungen digitaler Projektideen im Arbeitsfeld

In einem letzten Themenblock wurde nach Schwierigkeiten, die für digitale Projektideen im Ehrenamt liegen, gefragt. In der folgenden Rangfolge, mit absteigender Häufigkeit, wurden die vorgeschlagenen potenziellen Schwierigkeiten benannt:

  • Mangel an personellen Kompetenzen,
  • Mangel an zeitlichen Ressourcen,
  • Vorbehalte gegenüber der Nutzung durch die Zielgruppe und
  • rechtliche Bedenken.

Der Mangel an Ressourcen scheint mit ein Grund dafür zu sein, warum digitale Ideen im Ehrenamtsbereich seltener erfolgreich sind.

Für uns sind die Wünsche bzgl. Fortbildungen von besonderem Interesse, da wir diese zukünftig in unseren Veranstaltungen und Workshops sowie der Frühjahrsakademie einbringen möchten, um möglichst nah an den Bedarfen der Menschen sowie der Realität des Arbeitsfeldes Seniorenarbeit zu agieren. Aus diesem Grund wurden unterschiedliche Bereiche abgefragt, in denen Fortbildungen möglich sind. Besonderes Interesse seitens der Personen, die den Fragebogen ausgefüllt haben, besteht in den Themenbereichen Social Media/ Öffentlichkeitsarbeit sowie Technikanwendung. Ebenfalls besteht der Wunsch nach konkreten Ideen für Praxisprojekte. Diesem Wunsch versuchen wir unter anderem mit unserer Projektdatenbank auf unserer Website zu entsprechen. Hier werden digitale Praxisprojekte zum Abgucken gesammelt, die mit überschaubaren Ressourcen übertragbar sind.

Neben expliziten Fortbildungsmöglichkeiten wurde allgemein gefragt, welchen Bereichen im Ehrenamt mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte und welche Wünsche diesbezüglich vorherrschen. Die Auswertung der Antworten zeigt deutlich, dass Interesse daran besteht, ehrenamtlich Engagierte zu befähigen, interessierten älteren Menschen digitale Möglichkeiten aufzuzeigen und im Umgang mit digitalen Werkzeugen anzuleiten. Ebenfalls sollen die Zugänge niedrigschwellig aufgebaut sein, sodass keine zusätzlichen Hürden aufgebaut werden. Neben einem niedrigschwelligen Zugang besteht der Wunsch nach zielgruppengerechten und –spezifischen Software- sowie Hardware-Möglichkeiten.

(Bildquelle: Pixabay)

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