Das hätt’ ich vorher nicht gedacht…

Workshop 12 der Herbstakademie 2016: „Wandel gestalten – T/Räume für ein solidarisches Miteinander“

„Das hätt ich vorher nicht gedacht – von Synergieeffekten, ihrer Nachhaltigkeit und ihrer Entstehung durch Selbstorganisation, am Beispiel des ZWAR Netzwerkes Borken“

Die Teilnehmenden wurden in beiden thematisch gleichen Workshops mit der Frage begrüßt:„Gibt es etwas, was in Ihrem/deinem Leben bislang auf der Strecke blieb?

Die Antworten wurden auf Moderationskarten festgehalten, auf Metaplantafeln geheftet und dabei persönlich vorgestellt.

Anhand von sechs Faktoren gelingender Selbstorganisation und Partizipation wurde im nächsten Schritt verdeutlicht, wie das ZWAR-Konzept die Brücke zwischen Theorie und Praxis herstellt und damit Kooperationspartner in der kommunalen Stadtverwaltung und Menschen ab 55 unterstützt, Synergieeffekte durch Selbstorganisation zu erzielen.

Aufgrund von Nachfragen wurde verdeutlicht, dass der Arbeit der ZWAR Zentralstelle NRW in Dortmund das ZWAR Konzept zugrunde liegt: in seiner Ressourcen- und Kompetenzorientierung legt es einen besonderen Fokus auf den Aufbau tragfähiger sozialer Beziehungen in den Netzwerken für Menschen ab 55. Es geht davon aus, dass jeder Mensch Expertin und Experte für ihr bzw. sein Leben ist und gern auf eine Unterstützung zurückgreift, die es ermöglicht, Fähigkeiten und Kompetenzen (wieder) zu entdecken und weiter zu entwickeln. Anhand von Beispielen des ZWAR Netzwerkes Borken lassen sich viele gelingende Faktoren verdeutlichen.

Neue soziale Netze können Impulsgebend für Kommunen, Verbände und Institutionen sein. Die Menschen, die sich in neuen sozialen Netzen „vor Ort“ und IHREM Stadtteil engagieren, wissen meist sehr genau, oder besprechen dies miteinander, wie die Lebensqualität im Stadtteil verbessert werden kann, wie nachbarschaftliche Strukturen (wieder)belebt werden können, was zu tun ist, um einen Stadtteil wieder attraktiver und lebenswerter zu gestalten, sie selbst sind Teil des Ganzen. Deshalb sind Kommunen und Verbände gut beraten, sich für neue soziale Netze, ihre Themen, Ideen und Organisationsformen zu öffnen und sie als gleichberechtigte Partnerinnen auf  Augenhöhe ernst zu nehmen, wenn es um die Gestaltung einer lebendigen Kommune geht.

Es werden in der kürze der Zeit sechs Faktoren dargestellt, die Synergieeffekte durch Selbstorganisation fördern und so Wandel und T/Räume für ein solidarisches Miteinander gestaten können:

Faktor I Begleitung

In den hier benannten sozialen Netzen erfinden Menschen neue Räume des Miteinanders, die sich durch gleichberechtigte Kommunikation und erlernte Selbstorganisation auf dem Prinzip der Freiwilligkeit entwickeln. Sie erhalten für ein Jahr eine hauptamtliche Supportstruktur zur Sicherung ihrer Nachhaltigkeit und ihres Ausbaus. Die Begleitung in der Startphase des Netzwerkes bzw. der ZWAR Basisgruppe wird durch die ZWAR Zentralstelle NRW auf ihre Rolle vorbereitet und im Gruppenprozess qualifiziert.

Faktor II Niederschwellige Orte des Kontaktes

In diesem Zusammenhang geht es um neue soziale Netze, die durch ihr Engagement und ihre gesellschaftliche Teilhabe einen Beitrag leisten können zur Förderung einer lebendigen Bürgerkommune. Die Menschen in den neuen sozialen Netzen wollen Gemeinsamkeit, Verbindung und Verbindlichkeit. Das erste verbindende Element ist der gemeinsame Sozialraum, der Stadtteil, das Gemeinwesen, die Nachbarschaft, die hier als Gruppe erlebt wird.

Faktor III Visionen

Das dritte Element, das ein soziales Netz zusammenhält und entwicklungsfähig macht, ist ein gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Vision. Im Mittelpunkt stehen oft soziale Visionen, die gemeinsam und partnerschaftlich kreiert und verfolgt werden. Sie setzen neue Potentiale für Kreativität, Produktivität und Verantwortung frei.

Faktor IV Unterstützungssysteme

Die Basis des Begegnungsraumes ist die ZWAR Basisgruppe, das Netz im Ort oder Ortsteil, das sich auch mit weiteren ZWAR Basisgruppen in weiteren Ortsteilen und anderen Gruppierungen vernetzt. Das ZWAR-Konzept regt zur Gestaltung der Vernetzung auch durch Veranstaltungen bzw. Strukturen an. Auf der örtlichen Ebene kann es z.B. das kommunale Vernetzungstreffen, auf der Ebene des Regierungsbezirkes die Regionalkonferenz und auf der Ebene des Landes NRW, das Landesforum NRW sein.

Faktor V Qualifizierung

Qualifizierungen der ZWAR Zentralstelle NRW  stehen zum einen Netzwerken jeglichen Entstehungshintergrundes zur Verfügung. Zum anderen gibt es Angebote für alle hauptamtlich Interessierten, insbesondere auch für die Rolle der Netzwerkbegleitung. Auf der ZWAR website finden sich alle aktuellen Angebote.

Faktor VI Engagement

Bürgerschaftliches Engagement der ZWAR Netzwerke entsteht unmittelbar. Es ist nicht vorgegeben. Es entsteht durch Faktoren, die Menschen selbst bestimmen. Die ZWAR Netzwerkteilnehmenden motivieren und unterstützen sich gegenseitig, sowohl bei der Planung von Aktivitäten und Projekten als auch bei der Bewältigung von schwierigen Lebensphasen und persönlichen Krisen. Dadurch leisten sie miteinander einen Beitrag fürs Gemeinwesen und geben Nachbarschaftsstrukturen ein neues Gesicht durch gelernte Selbstorganisation. Dabei finden Lernprozesse statt, die persönliches Wachstum fördern, auch zur Motivation und zur Verantwortungsübernahme für den Stadtteil und für das Gemeinwesen in Form von Bürgerengagement. Die ZWAR Netzwerkteilnehmenden bekommen und geben untereinnander Impulse, wählen ihr Engagement selbst und sehen deutlich den eigenen Gewinn.

Im nächsten Workshopschritt werden fünf Beispiele zum Engagement und den erzielten Synergieeffekten von Beteiligten des ZWAR Netzwerkes Borken vorgestellt.

Beispiel 1: Der ZWAR-Borken-FLASHMOB

Kooperation mit der Stadt Borken

Die selbst angefertigten vier Großbuchstaben des Wortes ZWAR wurden an langen Stangen einzeln durch den Ort getragen. Zu einer verabredeten Zeit stellten sich die Träger in beliebiger Reihe auf und wechseln mehrmals die Positionen. Auf ein Zeichen wird das Wort ZWAR gebildet.

Was bewirkts : Beim diesem ZWAR-Flashmob mischen sich die Akteure unter die Marktbesucher. So auf sich aufmerksam gemacht, sind viele neugierig geworden, so dass nach dem Flashmob ein individueller Austausch und gewünschte Informationsgespräche zustande kommen.

Beispiel 2: Das Lesecafé

Kooperation mit dem Jugendhaus Borken

Veranstaltet wird in 2016 das 19.Lesecafé mit dem Jugendhaus Borken. Das Jugendhaus stellt die Räume für das Lesecafé und die Lagerung der Bücher zur Verfügung. Die Plakate und Handzettel für die Werbung druckt die Stadtdruckerei kostenlos. Die Bevölkerung wird um Buchspenden gebeten, per Plakatwerbung durch die ZWAR Basisgruppe, diese ordnet und sortiert die Bücher und legt sie aus. Selbstgebackener Kuchen wird von den kooperierenden Jugendlichen verkauft. Der Reinerlös geht an das Jugendhaus. Von der ZWAR Basisgruppe Borken werden dabei z.B. Märchen vorgelesen.

Was bewirkts: Die Bekanntheit steigt, Interessierte finden zum Netzwerk und die Kontaktstellen mit den Jugendlichen nehmen zu. Auch  haben sich Nachahmer gefunden.

Beispiel 3: Kulturelle Ivents

Kooperation mit der AWO-Heiden / Bürgerstiftung Westmünsterland / Borkener Tafel

Gemeinsame besuche im Theater, Städtereisen, Museenbesuche. Die Bürgerstiftung Westmünsterland fragt bei besondere Veranstaltungen nach Mithilfe: beim Sternenbannerlauf oder als Gästebetreuer bei Veranstaltungen. Sammeln von Lebensmitteln mit der Borkener Tafel und Infos bei Gesundheitsmessen.

Was bewirkst: Das Netzwerk wächst stetig an. Wir lernen von anderen Formen der Organisation. ZWARler werden aktiviert und entdecken neue Fähigkeiten und Möglichkeiten sich zu engagieren und einzubringen.

Beispiel 4: Stadtführung/Interkulturelles Fest

Kooperation mit türkischstämmigem ZWAR-Netzwerk Gelsenkirche.

Franz und Gönül lernen sich auf einer ZWAR Regionalkonferenz kennen. 2014 erfolgt die erste Einladung zum Interkulturellen Fest nach Gelsenkirchen, in Folge auch in 2015. Der Gegenbesuch findet im November 2015 in Borken statt. Selbstorganisiert erfolgt einee Stadtführung. Nach dem Essen der Besuchen des Standesamtes. Die erhaltenen Informationen über unterschiedliche Gebräuche und Vorschriften, wenn Menschen unterschiedlicher Nationen und Religionen bei uns Heiraten wollen, regen zum Dialog an.

Was bewirkst: Gegenseitiges kennenlernen und Respekt gegenüber Gebräuchen und Lebensweisen. Es wird von einem gemeinsamen Aufenthalt in der Türkei gesprochen.

Beispiel 5: Die ZWAR- Basisgruppe

Kooperation mit der Stadt Borken / VHS-Borken / Borkener Zeitung / Fabi-kath.Bildungsstätte / Seniorenbeirat Stadt Borken /Seniorenbeirat Kreis Borken.

Die Basisgruppe ist der erste Ort der Vernetzung. Hier werden Aktionen geplant. Zum Beispiel: Beteiligung an Stadtfesten.

Die Borkener Zeitung schreibt und veröffentlicht Artikel über Aktivitäten. Die FABI stellt den Raum für die Theatergruppe kostenlos zur Verfügung. Die Gruppe spielt für die Fabi auf Anfrage. Beteiligung am Orga-Team vom Seniorenforum der Stadt Borken. Beteiligung an Anfragen und Themen der Bagso.

Was bewirkts: Die Basisgruppe lernt in anderen Foren und Gruppen zu sprechen, Meinungen zu bilden und zunächst fremde Themen zu erarbeiten. Nach der fachlichen Starthilfe stand die Impulssetzung zur Teilhabe am Leben in Gemeinschaft, für Mitgestaltung und bürgerschaftliches Engagement im Mittelpunkt.

Die Beschreibung der Synergieeffekte anhand der fünf genannten Beispiele wird durch Nachfragen und den gemeinsamen Dialog in der Workshoprunde mit Beispielen der Teilnehmenden bereichert.

Auf Nachfrage der Runde sei betont, dass auf der Basis von Eigenverantwortung und Selbstorganisation kontinuierlich, temporär oder einmalig Projekte und Aktivitäten in ZWAR Netzwerken verwirklicht werden.

Beim Workshopabschluss wird von den Teilnehmenden die erlangte Impulssetzung zur Initiierung von Selbstorganisation besonders hervorgehoben.

Gastgebende

ZWAR Netzwerk Borken: Bärbel Attermeyer, Anne Hoffmann, Rainer Vorfeld, www.zwar-borken.de 

ZWAR Zentralstelle NRW Dortmund:  Anne Remme , www.zwar.org

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