“Teilhabe/Träume”

Workshop 7 der Herbstakademie 2016: “Teilhabe/Träume”

Was braucht es, damit das Engagement von Menschen mit Beeinträchtigungen oder Flüchtlingen gelingt?

Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement bietet bislang wenig realisierte Möglichkeiten Menschen mit Beeinträchtigungen, geflüchtete  oder zugereiste Menschen in die Zivilgemeinschaft einzubinden.

Der Workshop ging der Frage nach, wie die Situation vor Ort aussieht und welche Schwierigkeiten und Hemmnisse gegenwärtig existieren. Doch ebenso diente der Workshop dazu Möglichkeiten und Ideen aufzuzeigen wie Teilhabe für diese Menschen trotzdem gelingen kann. Neben den Erfahrungen der Teilnehmer wurden in diesem Workshop auch Ergebnisse des lagfa-Inklusions-Projektes, sowie gute Beispiel aus der Flüchtlingsarbeit, diskutiert.

Bestehende Hemmnisse, Bedenken und Barrieren bei behinderten Menschen:

Menschen, mit einer rein körperlichen Behinderung werden eher akzeptiert, als geistig behinderte Menschen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche rechtlichen und baulichen Konsequenzen mit der Teilhabe von behinderten Menschen im ehrenamtlichen Engagement verbunden sind und inwiefern ein Betreuer unterstützend eingreifen muss. Ebenso steht die Frage der Selbstständigkeit und Eigenverantwortung im Raum und wie ein “Miteinander” funktionieren kann.

Bestehende Hemmnisse, Bedenken und Barrieren für Flüchtlinge im Ehrenamt:

Die rudimentären Sprachverständnisse sind das größte Hindernis für eine ehrenamtliche Ausübung. Die Erfahrungen in den Kriegsgebieten und das dort erlebte Leid der Flüchtlinge können ebenso einen negativen Effekt auf Senioren ausüben, die sich dann an ihre eigene Vergangenheit aus den Kriegstagen schmerzlich zurück erinnern können.  Stammtischparolen und unterschwelliger Rassismus gegenüber Flüchtlingen können weitere Indizien sein, weshalb diese häufig abgelehnt werden.

Exklusion –> Integration –> Inklusion:

Teilhabe kann nur gelingen, wenn man bereit ist auch teilzugeben, Barrieren zu erkennen und abzubauen und sich zu hinterfragen. Dann können oft einfache Lösungen für diese Barrieren gefunden werden:

Menschen mit Körperbehinderung:
BarriereLösungsvorschläge
AnfahrtswegBarrierefreiheit des Anfahrtsweges und der Nahverkehrsbindungen prüfen. Möglichst konkrete Informationen zur Barrieresituation bereithalten.
Stufen/SchwellenBarrieren lokalisieren und prüfen, ob sie zu beseitigen sind (z.B. durch mobile Rampen, Verlegung des Arbeitsortes in einen barrierefreien Raum). Greifen Sie hier auf die Erfahrungen von Rollstuhlnutzer/innen zurück.
SanitärräumeWenn barrierefreie Sanitärräume nicht vorhanden sind, prüfen Sie Möglichkeiten des Umbaus oder einer Alternative in der Nähe.
Zu enge TürenPrüfen Sie die Möglichkeiten des Umbaus oder die Verlegung des Arbeitsortes.
Rollstuhlfahrer/kleinwüchsige Menschen: Gespräch von oben herabBegeben Sie sich bei Unterhaltungen möglichst immer auf Augenhöhe.
Fehlende Tische in Sitzhöhe/unterfahrbare Tische (oftmals nur Stehtische)Sorgen Sie bei Veranstaltungen und am Arbeitsort für entsprechende Tische.
Genügend Platz für Rollstuhlfahrer/WenderadiusBerücksichtigen Sie den Platzbedarf für Rollstuhlfahrer. Dies betrifft Veranstaltungen und die Situation in Gängen und Arbeitsräumen.
Erreichbarkeit von InformationsmaterialienAchten Sie bei der Anordnung ihrer Werbematerialien darauf, dass auch Rollstuhlnutzer/innen sich selbst bedienen können und Plakate auch in ihrer Sichthöhe angebracht werden (Willkommenskultur).
Menschen mit psychischen Behinderungen:
BarriereLösungsvorschläge
Reizüberflutung z.B. Lärm, räumliche Enge, fehlende StrukturAchten Sie darauf, dass es einen festen Ansprechpartner gibt, welcher genügend Zeit für die Einarbeitung und Begleitung hat (ggf. mit Schnuppertag).
Problem der KontaktaufnahmePatenschaften können als “Türöffner” wirken und helfen bei der Suche nach einem geeigneten Engagement.
(zu hoher) Verantwortungsgrad entspricht manchmal nicht der Belastbarkeit (schwankend); Ängste, zu versagen, Gefühl der ÜberforderungAchten Sie darauf, dass der Ansprechpartner über genügend Sensibilität und Wissen über psychische Erkrankungen, Krankheitsverläufe und mögliche Umgangsformen damit verfügt.
Zu wenig Pausen und ZeitdruckAchten Sie auf ausreichend Pausenzeiten und signalisieren Sie Geduld
Angst vor unbekannten WegenOrganisieren Sie ggf. eine Begleitung beim ersten Besuch in einer möglichen Einsatzstelle.
Unsicherheit/mangelndes Selbstvertrauen/SelbstwertgefühlSehen Sie den Engagierten als “Experten in eigener Sache”, schaffen Sie Gelegenheiten des Austauschs und der Anerkennung.
Häufigere Stimmungswechsel und Antriebslosigkeit (z.B. bei Depression in akuten Krankheitsphasen)Werten Sie diese Phasen nicht als Unzuverlässigkeit. Halten Sie den  Kontakt und organisieren Sie ggf. ein Besuchsangebot.
Menschen mit Lernschwierigkeiten:
BarriereLösungsvorschläge
Spontanes Nähe-Distanz-Verhalten: Unsicherheit bei Nicht-BetroffenenVersuchen Sie ausreichend Erfahrungs- und Kontaktmöglichkeiten für nichtbehinderte Mitarbeiter zu schaffen.
Vorurteile, fehlendes Vertrauen in die eigenen FähigkeitenLenken Sie ihren Blick auf die Ressourcen des Einzelnen und lassen Sie sich zum Umgang mit Menschen mit Lernschwierigkeiten beraten.
Keine Informationen, Material und Hinweise in Leichter/einfacher SpracheVerwenden Sie bei der Beratung und Anleitung leichte und verständliche Sprache. Versuchen Sie relevante Informationsmaterialien möglichst gut gegliedert und in einfacher Sprache zu verfassen.
Zeitdruck, Zeitmangel bei der Einarbeitung/AnleitungAchten Sie darauf, dass es einen festen Ansprechpartner gibt, welcher genügend Zeit für die Einarbeitung und Begleitung hat.
Zu wenig Pausen, z.B. bei VeranstaltungenAchten Sie auf ausreichend Pausenzeiten.
Zu schnelles SprechtempoSprechen Sie nicht zu schnell. Dies betrifft vor allem die Vermittlung von Aufgabenstellungen und Vorträge bei Veranstaltungen.
 Zu komplizierte Sprache bei Angeboten/ Fachsprache bzw. Fremdwörter Nutzen Sie leicht verständliche Sprache und fragen Sie im Zweifel nach.

 

Kontakt:
lagfa NRW
Rathausstr. 13
58095 Hagen
Mail: info@lagfa-nrw.de
Internetseite der lagfa nrw

Teile diesen Beitrag:
schliessen