Das Alter wird bunter und vielfältiger – auch durch alternde Migrantinnen und Migranten

Für den Datenreport 2016 analysierten Dr. Elke Hoffmann und Dr. Laura Romeu Gordo (Deutsches Zentrum für Altersfragen) die Lebenssituation älterer Menschen mit Migrationshintergrund und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Sozialberichterstattung über die demografische und soziale Lage der Migrantinnen und Migranten in Deutschland. Berücksichtigt wurden dabei Daten des Mikrozensus, des Deutschen Alterssurveys (DEAS) und des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP).

Migrantinnen und Migranten sind vergleichsweise jung

Mit einem Durchschnittsalter von 35 Jahren ist die Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Deutschland deutlich jünger als die Vergleichsgruppe ohne Migrationshintergrund mit durchschnittlich 47 Jahren. Auch unter den heutigen Asylbewerberinnen und -bewerbern befinden sich nur 0,5 Prozent, die 65 Jahre und älter sind, über zwei Drittel sind unter 30 Jahre alt.

Aber auch Migrantinnen und Migranten altern. So hat ein großer Teil der in den 1960er bis 1980er Jahren zugewanderten Arbeitsmigrantinnen und -migranten bereits das Ruhestandsalter erreicht. Zunehmend resultiert aus den praktischen Erfordernissen einer adäquaten gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung dieser Menschen gesellschaftspolitisches und wissenschaftliches Interesse an ihrer Lebenssituation in Deutschland.

Unterschiedliche Migrationsbiografien haben unterschiedliche Lebenswirklichkeiten zur Folge

Die Generation der älteren Migrantinnen und Migranten (50+) besteht, wie Elke Hoffmann ausführt, im Wesentlichen aus zwei Hauptgruppen: „Den (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedlern aus Regionen Mittel- und Osteuropas und den Arbeitsmigrantinnen und -migranten, die nach 1956 auf der Grundlage der Anwerbeabkommen aus den Mittelmeerländern nach Deutschland kamen. Diese beiden Gruppen unterscheiden sich sowohl hinsichtlich demografischer wie auch sozialer Merkmale. Ursache sind im Wesentlichen spezifische Migrationsbiografien und -erfahrungen.“

Beispielsweise haben 67 Prozent der zwischen 1956 und 1973 als Arbeitsmigrantinnen und ‑migranten nach Deutschland zugezogenen Personen, die heute 65 Jahre und älter sind, keinen berufsqualifizierenden Abschluss. Unter den (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedlern derselben Altersgruppe trifft das auf 45 Prozent zu.

Ähnliche Differenzierungen zeigen sich bei der finanziellen Situation. Die Ökonomin Laura Romeu Gordo erläutert das für die Altersgruppe ab 65 Jahren im Jahr 2013: „Während für die Personen ohne Migrationshintergrund eine Armutsgefährdungsquote von 12,5 Prozent gemessen wird, sind es bei den (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedlern 27,5 Prozent und bei den Arbeitsmigrantinnen und -migranten sogar 36,5 Prozent.“

Der Datenreport 2016, herausgegeben vom Statistischen Bundesamt (Destatis), dem Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) und dem Sozio-Oekonomischen Panel (SOEP), wurde am 03. Mai der Öffentlichkeit vorgestellt. Zur Beschreibung von Lebenssituationen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland verknüpft er statistische Daten und sozialwissenschaftliche Analysen.

Der Beitrag von Elke Hoffmann und Laura Romeu Gordo ist hier nachzulesen: „Lebenssituation älterer Menschen mit Migrationshintergrund“

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