Das virtuelle Fachgespräch als Abschluss des Themenmonates 06/2022 – Was nehmen wir mit für die Zukunft?

Am gestrigen Tag fand der Themenmonat 06/2022 seinen verdienten Abschluss mit der sehr diskussions- und informationsreichen virtuellen Veranstaltung „Erfahrungen und Erlerntes für die Zukunft– Ein digitales Fachgespräch als Fazit“. An der Podiumsdiskussion nahmen Fachexpert:innen aus unserem Arbeitsfeld teil, nämlich

Der Diskussion lagen insgesamt fünf Fragen zugrunde, die die Podiumsteilnehmer:innen mauf Basis ihrer Erfahrungen aus den letzten Jahren beantworteten. Wir ließen die letzten beiden Jahre Revue passieren und wagten zugleich einen Blick in die Zukunft, welche Entwicklungen und Maßnahmen für eine gelingende Annäherung an digitale Themen und Techniken, insbesondere in der gemeinwesenorientierten Senior:innenarbeit, notwendig sind. An dieser Stelle wurde schnell deutlich, dass auch die Arbeitsbereiche und -felder mitgedacht werden müssen, die nicht in erster Linie auf Themen wie „Digitalisierung“ oder „Techniknutzung“ abzielen.

Die Gesprächsinhalte und Kernbotschaften der Gesprächsteilnehmer:innen werden im Folgenden als O-Töne und Statements abgebildet.

Thema 1: Digitalisierung und Senior:innenarbeit – Was ist passiert?

Stillstand war keine Option.

Es wurde ein großes Potenzial sichtbar – Ältere wurden unter erschwerten Bedingungen mitgenommen.

Einige Menschen sind auf der Strecke geblieben. Die, die vorher schon in einer gewissen Weise digital unterwegs waren, konnten digital teilnehmen, die bisherigen Offliner:innen befanden sich in einer erschwerten Situation.

Gerade im stationären Bereich wurde eine Überforderung sichtbar – es kamen viele neue Aufgaben dazu, hier spielte die Digitalisierung aber weniger eine Rolle. Es gab zu wenig Personal, zu wenige Kompetenzen und zu wenig Ausstattung.

Es wurde noch einmal eine wichtige Frage deutlich: Wie ermöglichen wir Parallelstrukturen, d.h. analoge und digitale Teilhabemöglichkeiten?

Eine Unterscheidung zwischen der Mikro- und Makroebene macht es deutlich: Auf der Mikroebene, also bei den Menschen bzw. beispielsweise in Einrichtungen, wurden Videokonferenzen oder ähnliche digitale Techniken genutzt bzw. relevant. Auf der Makroebene, hiermit ist die gesamtgesellschaftliche Struktur der Unterstützungsleistungen gemeint, hat sich an den Strukturen während und nach Corona nichts geändert. Wir befinden uns noch immer in einem Selbsthilfeimprovisationsmodus, der insbesondere durch das Ehrenamt bzw. Engagement Freiwilliger getragen wird bzw. getragen werden muss.

Themen 2 + 3: Was braucht es wo an Unterstützung und welche Entwicklungen sollten angestoßen werden?

Frau mit Planet

Es besteht enormer Nachholbedarf bei Schulungen und Entwicklung von Konzepten in allen Bereichen der Senior:innenarbeit bzw. offenen Altenhilfe, insbesondere in denen, die keinen Bezug zu digitalen Themen haben.

Digitalisierung wird zukünftig auch in Querschnittsthemen, die alle Bereiche der gemeinwesenorientierten Senior:innenarbeit betreffen, eine zentrale Rolle spielen und sollte mitgedacht werden, z.B. im Bereich der Engagementförderung.

Es braucht mehr als nur finanzielle Mittel zur Hardwareanschaffung. Es braucht Schulungen, Qualifizierung und Begleitung beim Aufbau von Projekten.

Derzeit muss der ältere Mensch für sich selbst schauen, wo es welche Angebote gibt, der Wissenserwerb fällt sehr unterschiedlich aus. Gut, dass es Angebote mit einer Komm-Struktur gibt, wichtig ist es aber auch, in Richtung aufsuchender Strukturen zu denken.

Es braucht dringend mehr hauptamtliche Ressourcen in Angeboten, denn „Ehrenamt kann es ohne Hauptamt nicht geben“.

Die Angebote und Projekte müssen partizipativ gestaltet werden. Die älteren Menschen sollten gefragt werden, was sie brauchen und möchten.

Der soziale Austausch spielt auch in Projekten mit digitalen Bezügen eine zentrale Rolle.

Zukünftig werden Grundkenntnisse im digitalen Bereich vielleicht nicht mehr ausreichen, um von bestimmten digitalen Techniken zu profitieren und diese gewinnbringend für den individuellen Alltag nutzen zu können. Im Bereich der Daseinsvorsorge wird Digitalisierung zukünftig eine wesentliche Rolle einnehmen bzw. nicht mehr wegzudenken sein.

Es braucht Orte, an denen Unterstützung und Begleitung für ältere Menschen im Themenfeld Digitalisierung ermöglicht wird. Eine wichtige Rolle spielen beispielsweise Seniorentreffs, Begegnungsstätten und weitere Begegnungsräume vor Ort. Hier kann der Fokus u.a. auch auf den Bereich der ambulanten Pflege gelegt werden. Es sind knapp 3,3 Millionen Menschen, die so erreicht werden könnten.

Das Thema „Digitalisierung“ sollte auch in der kommunalen Altenhilfe, z.B. im Altenplan/Altenhilfeplan, mitgedacht werden.

Thema 4: Ehrenamtliche Arbeit als tragende Säule der Senior:innenarbeit

Wie haben die letzten beiden Jahre Ausnahmezustand die Ehrenamtliche Arbeit verändert?

Team

Es braucht zwingend hauptamtliche Strukturen, die den Rahmen für Engagement schaffen und dieses auch begleiten.

Es ist eine grundsätzliche Frage, die wir uns alle stellen sollten: Was können wir vom Ehrenamt erwarten und wo sind Grenzen gesetzt? Was sollte durch das Hauptamt getragen werden?

Es gibt Bereiche, aus denen sich Engagierte über Corona hinweg zurückgezogen haben. Dies gilt jedoch nicht grundsätzlich für das Engagement.

Durch den enormen „digitalen Schub“ – auch im Bereich der Senior:innenarbeit – werden nun neben sozialen Kompetenzen auch digitale Fähigkeiten relevanter.

Thema 5: Wünsch dir was! – Ein Blick in die Zukunft

blank

Angebote für ältere Menschen müssen attraktiv und serviceorientiert gestaltet werden.

Es braucht auch zukünftig Parallelstrukturen, d.h. digitale und analoge Möglichkeiten, an der Gesellschaft teilzunehmen.

Es braucht vermehrt die Vernetzung zwischen relevanten Akteuren und auch Projekten.

Digitalisierung sollte auch zukünftig immer als eine Möglichkeit gesehen werden, soziale Teilhabe zu ermöglichen.

Flächendeckende “Senioren-Jugend-Zentren“ als Erlebnis- und Austauschräume, als kompaktes und umfassendes Paket, können ein Schritt in die richtige Richtung sein.

Es braucht eine Digitalisierungsstrategie, die die Älteren mehr in den Blick nimmt.

Ältere Menschen sollten in die Entwicklung von Medien und Techniken einbezogen werden und Mitgestalter:innen sein.

Es braucht kontinuierliche und nachhaltige Strukturen, um langfristig etwas zu bewegen.

Kommunen sollten ihre Arbeitsbereiche zusammenbringen und das Thema Digitalisierung als Querschnittsthema betrachten. Die Digitalisierungs- und Demografie-Strategie sollten gemeinsam betrachtet und als Einheit gesehen werden.

Im Selbstverständnis der Hauptamtlichen sollte das Thema Digitalisierung verankert und somit auch in die Qualifikation und die Arbeit als Baustein mit aufgenommen werden.

Das war der Themenmonat 06/2022

Wir möchten uns bei allen Beteiligten, Mitdenker:innen, Verfasser:innen und Köpfen herzlich bedanken, die im Rahmen des Themenmonates ihre Erfahrungen, Kenntnisse und ihr Wissen geteilt haben. Es wurden Einblicke in die konkrete Arbeit vor Ort ermöglicht, Projekte und Studien vorgestellt, die uns alle neue Perspektiven und Ideen vermittelten und uns gleichzeitig in der ein oder anderen Vorgehensweise bzw. Erfahrung bestärkten.

Nach der Rückschau und der – teilweise auch kritischen – Reflexion geht es nun darum, Erlerntes mit in die Zukunft zu nehmen und Neues zu gestalten. Was soll bleiben, wie es ist? Was möchten wir gerne ausprobieren? Haben sich unsere Zielgruppen verändert? Was wird konkret vor Ort gebraucht? Wie können wir die Engagierten in unseren Projekten bestmöglich begleiten? All das sind Fragen, die wir mitnehmen und gemeinsam weiterdenken möchten. Wir sind uns sicher, dass wir Sie an der ein oder anderen Stelle wiedersehen und gemeinsam neue Ideen umsetzen werden. Vielleicht ja schon im Rahmen unseres Fachtags zum Thema „Engagement in der Senior:innenarbeit digital stärken“ in Mülheim an der Ruhr?

Danke an Ihr Engagement und Mitwirken im Rahmen des Themenmonates!

Alle Informationen rund um den Themenmonat 06/2022

Letzte Aktualisierung: 4. Juli 2022

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