Digitale Lösungen für die Arbeit im Gemeinwesen und im Quartier – 5 Praxisbeispiele

Die Digitalisierung findet Einzug in alle Lebensbereiche – auch in die Quartiersarbeit und gemeinwesenorientierte Seniorenarbeit.

Digitale Werkzeuge können bei internen und externen Prozessen unterstützen und Abläufe verbessern. Thema dieses Beitrags sind Beispiele für sinnvolle Dienste und Software-Anwendungen für den Alltag im Quartier und in der Nachbarschaft für Organisationen und Initiativen. Der Fokus liegt dabei auf den Rahmenbedingungen innerhalb des Arbeitsalltags, die in der Regel von kleinen finanziellen Budgets und wechselnden Verantwortlichkeiten geprägt sind.

Welche Software lohnt sich? Wie gehen wir mit wenigen Ressourcen im Alltag sozialer Organisationen um? Und wie kann gerade im Technik-Bereich versucht werden, eine gewisse Nachhaltigkeit und Kontinuität zu erzeugen?

Die folgenden fünf Praxisbeispiele zeigen, wie Organisationen an den Entwicklungen der Digitalisierung im Sozialraum teilhaben können. Die ausgewählten Beispiele machen deutlich, wie durch die Bündelung von Ressourcen und Nutzung bereits vorhandener Angebote, Prozesse digitalisiert, Kosten reduziert und Risiken verringert werden können.

In kleinen Organisationen und Initiativen stehen in der Regel wenige finanzielle Mittel zur Verfügung. Die hauptamtlichen Mitarbeitenden (und auch die Ehrenamtlichen) wechseln von Zeit zu Zeit. Oft sind es besonders motivierte und Technik-interessierte Menschen, die das Initial zu digitalen Projekten spenden. In der Realität zeigt sich leider sehr oft, dass das Funktionieren digitaler Dienste genau an diesen Personen hängt. Scheiden sie aus, liegen die Projekte brach oder kommen zumindest ins Stocken.

Juristische und Datenschutzrechtliche Bedenken sind häufig das letzte Argument, um diesen Vorhaben endgültig das Licht auszuschalten.

Wie aber machen es andere? Ein Schlüssel liegt im Erfahrungsaustausch mit anderen Organisationen, die an ähnlichen Themen arbeiten. Es muss nicht immer eine Eigenentwicklung sein. Gemeinsam getragene Projekte verteilen das Risiko und erhöhen die Kompetenz der Beteiligten. In vielen Fällen kann man von anderen abschauen. Zahlreiche kostenlose/ preiswerte und weitverbreitete Angebote und Dienste ermöglichen es auch bei kleinen Budgets digitale Dienste anzubieten. Andere Organisationen stehen vor den gleichen rechtlichen Rahmenbedingungen und haben bereits Lösungen oder arbeiten daran.

Klar muss aber sein, dass die Auseinandersetzung mit digitalen Themen auch auf der Ebene der Organisationen eine kontinuierliche Auseinandersetzung und einen dauerhaften Lernprozess erfordert. Die Entscheidungen über ein „ob“ sollten immer von den Leitungsgremien getragen werden. Diese sollten bestenfalls konstruktiv mit ihren Möglichkeiten an der Realisierung mitwirken.

Praxisbeispiel: Quartiersportal

Eine der ersten Anwendungen für Initiativen ist häufig die Erstellung einer Website. Am Beispiel eines Quartiersportals, wie sie auf der gemeinsam genutzten Plattform unter unser-quartier.de im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt werden kann, wird dies deutlich. Die Plattform wird zentral betrieben und technische Abläufe auch so gesteuert. Kosten werden durch Sammellizenzen minimiert. Unterstützung und Hilfe wird in einer gemeinsamen Dialogplattform (Online-Raum) gewährleistet. Hier wird Wissen geteilt und gemeinsam dokumentiert.

Durch den Aufbau eines ehrenamtlichen Redaktionsteams und unter Anleitung der Quartiersmanger*innen werden neue Formen der Zusammenarbeit erprobt und den Projekten eine Grundstabilität ermöglicht.

Eingesetzte Software: WordPress Multisite,
Projekt-Website (https://unser-quartier.de)

Praxisbeispiel: Tauschring

Am Beispiel eines Tauschrings lässt sich sehr schön verdeutlichen, wie Prozesse innerhalb eines klar definierten Funktionsumfangs den Weg aus der analogen in die digitale Welt geschafft haben. Was einst über Tauschzeitungen und Buchungsbelege abgewickelt wurde, ist heute eine Frage der richtigen Software. Hier legen Apps und Websites den Grundstein für Kommunikation und Verwaltung.

An diesem Beispiel erkennt man aber auch die Problematik der außenstehenden Älteren, die keinen Zugang zum Web oder Smartphones haben. Für die Organisationen ist es nach wie vor notwendig, die Marktzeitung gedruckt, wenn auch in kleinerer Auflage, anzubieten und zu verteilen. Es werden also, zumindest für einen vorübergehenden Zeitraum, die analogen Alternativen aufrechterhalten.

Beispiel-Software: Cyclos Communities (https://communities.cyclos.org/)

Praxisbeispiel: Verkehrssicherheit im Alter im Quartier Mettmann Mitte

Ziel des Projekts ist es Gefahrenpunkte zu ermitteln, die es älteren Menschen erschweren sich mit dem Rollator, dem Rollstuhl und dem Fahrrad sicher zu bewegen.

Durch mehrere koordinierte Begehungen und die Einführung einer Handy-App werden Ort und Kategorie der Problemstellen erfasst und Bilder dieser gemacht. Die so gesammelten Daten werden nach der Begehung reflektiert, zusammengeführt und dokumentiert. Am Ende werden die Ergebnisse an behördliche Stellen übergeben und die Verarbeitung begleitet. Hier werden neue Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung konsequent für eine gesellschaftliche Gruppe genutzt.

Projekt-Website: http://www.awo-mettmann.de/awo10-quartiersprojekt-18-1.shtml

Praxisbeispiel: Taschengeldbörse

„Taschengeldbörsen werden als Servicebrücken zwischen der Jugend und der älteren Generation verstanden. Vordergründig leisten Taschengeldbörsen eine „einfache” Vermittlungstätigkeit, indem sie Jugendliche, die haushaltsbezogene Unterstützungsleistungen gegen ein kleines Taschengeld anbieten, und Haushalte älterer oder mobilitätseingeschränkter Menschen zusammenbringen. Darüber hinaus vermitteln sie aber auch Interaktionen zwischen Jung und Alt und leisten somit einen Beitrag zur intergenerativen Begegnung.“ (Quelle: Flyer zum dasnez)

Die Software und App zur Vermittlung ist skalierbar und kann von anderen Kommunen und Organisationen mitgenutzt werden. Sie bietet lediglich den technischen Rahmen. Freischaltungen von Nutzer*innen und Einträgen erfolgen durch die jeweilige Verwaltung der Taschengeldbörse.

Website: https://dasnez.de

Praxisbeispiel: Ehrenamtsmanagement

Das Management von Ehrenamtlichen ist mit steigender Anzahl engagierter Personen eine Herausforderung. Neben der Erfassung und Vermittlung ist insbesondere auch die Kommunikation mit Gruppen und mit den einzelnen Personen eine komplexe Aufgabe. Hierzu gehört es die richtigen Kontaktdaten parat zu haben, die Zuordnung zu einzelnen Projekten zu erfassen, diese öffentlich oder intern darzustellen oder auch an Geburtstage zu erinnern, usw.

Der Ehrenamtsmanager verspricht viele dieser Prozesse abzubilden.

https://ehrenamtsmanager-wp.gute-tat.de

Praxisbeispiel: Messenger in der Praxis

Ein besonderes Werkzeug, dass in den vergangenen Monaten immer wieder diskutiert wurde, ist der Einsatz von Messengern. Weitgehende Einigkeit besteht über die guten Einsatzmöglichkeiten. Die einhellige Meinung über die Vorteile einer leichten und unkomplizierten Technik wird jedoch durch Datenschutz-rechtliche Bedenken und Unsicherheiten getrübt. Insbesondere der Einsatz von WhatsApp wird aus Sicht der Organisationen kritisch gesehen. Bei anderen Messenger-Technologien, wie Telegram, Threema oder Signal wurden Bedenken seitens der Akzeptanz der Zielgruppe älterer Menschen gesehen.

Wie Organisationen jedoch trotzdem Messengertechniken einsetzen können, zeigt unser Interview mit Christian Müller.

 

Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit gesammelt? Welche Prozesse kann und sollte man digitalisieren? Welche Lösungen setzen Sie ein? Welche Alternativen kennen Sie?

(Foto: Pixabay)

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