Digitale Teilhabe und Quartiersentwicklung – Befähigungsstrategien für ältere Menschen im Sozialraum

Abschlussveröffentlichung zum Projekt DigiQuartier im Kreis Recklinghausen

Wie werden wir in Zukunft unser Leben im Alter gestalten? Wenn in der Öffentlichkeit davon die Rede ist, tauchen regelmäßig beunruhigende Bilder auf. Geschichten vom Verlust des gewohnten Lebensumfelds, der Einsamkeit und des Pflegenotstands. Es gibt aber auch einen zweiten Diskurs mit häufig angenehmeren Bildern. Dabei geht es um die Digitalisierung, die all unsere Lebensbereiche verändert. Auch das Leben im Alter. Digitalisierung könnte, so die Hoffnung, dazu beitragen, dass alte Menschen lange in ihrer gewohnten Umgebung leben können. Und dass ihnen bei Bedarf eine menschenwürdige Pflege zuteilwerden kann.

Der vorliegende Sammelband enthält Beiträge, die danach fragen, wie realistisch diese Vorstellung ist, welche Digitalisierungsansätze Erfolg versprechend sind, welche nicht und welche Bedingungen nötig sind, um alte Menschen an der Digitalisierung teilhaben zu lassen. Grundlage für die folgenden Aufsätze war das Projekt „Digitalisierung in der Pflege als Chance für eine alters- und behindertengerechte Quartiersentwicklung in der Emscher-Lippe-Region (DigiQuartier)“.

Dabei wurde untersucht, wie durch den Einsatz digitaler Technik die Bereiche Pflege und Quartiersentwicklung unterstützt und vor allem bei Älteren und Pflegebedürftigen digitale Kompetenzen aufgebaut werden können. Die Ausgangsthese dabei war, dass Digitalisierung eng mit Quartiersentwicklung gekoppelt sein sollte. Deshalbwurde das Projekt auch in drei Modellquartieren durchgeführt in Dorsten-Wulfen, Castrop-Rauxel Habinghorst und der Hertener Innenstadt.

Welche methodischen Grundüberlegungen dem zugrunde lagen, wird zunächst im folgenden Kapitel 2 von Michael Cirkel vom Gelsenkirchener Institut Arbeit und Technik erläutert. Er erklärt, warum das Quartier als Handlungsebene so wichtig ist, wie der beteiligungsorientierte Ansatz des Projektes beschaffen war und warum diese Form der Technologievermittlung die Grundlage für Technikakzeptanz älterer Menschen ist. Anschließend gibt Michael Cirkel dann in Kapitel 3 zusammen mit Peter Ernste einen Überblick über den aktuellen wissenschaftlichen Diskurs zum Thema Digitalisierung und Alter.

Was bedeutet die Digitalisierung für die Zukunft der Pflege? Lässt sich vielleicht sogar der viel prognostizierte Fachkräftemangel und der damit zusammenhängende Pflegenotstand durch entsprechende Technik aufhalten? In dem Aufsatz „Digitalisierung in der Pflege“ (Kapitel 4) geben Ursula Kreft und Hans Uske vom Rhein-Ruhr-Institut an der Uni Duisburg-Essen zunächst einen Überblick über neuere Veröffentlichungen zu diesem Thema. Dabei wird deutlich, dass Digitalisierung erst dann einen Vorteil für die Pflege bedeutet, wenn sie eingebettet ist in eine Reihe von sozialen Innovationen. Dies ist auch der zentrale empirische Befund von Interviews mit Pflegeakteur*innen aus dem Kreis Recklinghausen, deren Ergebnisse anschließend dargestellt werden. Dabei ging es nicht allein um Digitalisierung, sondern auch um die zentrale Frage, wie Pflegeakteur*innen mit dem absehbaren weiteren Fachkräftemangel und seinen Folgen umgehen.

In Kapitel 5 schließlich stellen die Projektbeteiligten des Kreises Recklinghausen, Jan Erdmann, Janina Kleist, Kathrin Stenzel und Henrike Rump, die wesentlichen Ergebnisse der Projektarbeit in den drei Modellquartieren vor. Zunächst werden in einer Einleitung die fünf Säulen des Projektes DigiQuartier skizziert. Es ging den Projektakteur*innen darum, die digitale Infrastruktur im Quartier zu fördern, Digitalisierung auch für ältere Menschen erfahrbar zu gestalten, Technik bekannter zu machen, Wissen über digitale Techniken zu vermitteln und Akzeptanz für Technik zu fördern.

Dabei hat das Projekt nicht bei „null“ angefangen. Beispiele aus Mönchengladbach und Minden waren eine wichtige Referenz zu Projektbeginn. In Kapitel 5.2 werden diese Beispiele kurz skizziert. Es folgen drei Unterkapitel, die die Werkzeuge beleuchten, die im Projekt entwickelt wurden. Zunächst unter 5.3 die „Devices im Quartier“, von XXL-Tablets über digitale Kommunikationsanlagen für Hörgeschädigte bis hin zum Einsatz von e-Rikschas und e-Bikes. In Kapitel 5.4 wird dann die „Bücherei der digitalen Dinge“ vorgestellt, ein äußerst Erfolg versprechender Versuch, zusammen mit Stadtbüchereien ein Angebot aufzubauen, bei dem neben Büchern auch digitale Geräte wie zum Beispiel Senioren-Smartphones, Saugroboter oder ein smarter Spazierstock ausleihbar sind. Welche digitalen Hilfsmittel es mittlerweile gibt, lässt sich dann in der vom Projektpartner IAT erstellten Datenbank nachlesen. Sie wird in Kapitel 5.5 erläutert.

All das nützt nichts, wenn die Menschen, für die diese Dinge eine Erleichterung sein sollen, davon nichts wissen. Ein weiterer Schwerpunkt des Projektes lag daher in der Wissensvermittlung und dem Umgang mit Berührungsängsten und anderen Hemmnissen (Kapitel 5.6).

Abschlussveröffentlichung lesen: PDF-Datei

Weitere Informationen zum Projekt: www.digi-quartier.de

(Text: Einleitung der Veröffentlichung)

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