Kulturarbeit mit Älteren auf dem Land und in der Stadt

Workshop 13 der Herbstakademie 2015

Magdalena Skorupa, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Bildung und Kultur e.V., Remscheid

In dem Workshop wurde zunächst die Arbeit des Kompetenzzentrums für Kultur und Bildung im Alter (kubia) und die Unterstützungsmöglichkeiten für die Kulturarbeit mit Älteren durch den Förderfonds Kultur & Alter vorgestellt. Anschließend gab Brigitte Wolff-Vorndieck, Leiterin des Mehrgenerationenhauses in Saerbeck, mit der Vorstellung des durch den Förderfonds Kultur & Alter geförderten Projekts „HeimArt – Wurzeln, Käfig, Flügel“ einen Impuls aus der Praxis. Anhand des Praxisbeispiels wurden die Gelingensbedingungen von intergenerationellen Kulturprojekten auf dem Land diskutiert.

Über kubia

kubia ist ein Fachforum für alle, die Kulturelle Bildung und Teilhabe von und mit älteren Menschen ermöglichen. 2008 hat das Institut für Bildung und Kultur e.V. in Remscheid mit der Gründung von kubia vom Land Nordrhein-Westfalen den Auftrag erhalten, Kulturanbieter für den demografischen Wandel zu sensibilisieren, sie zu informieren, zu beraten und zu qualifizieren. In diesem Rahmen berät kubia auch die Antragsteller des Förderfonds Kultur & Alter, der in diesem Jahr mit dem Förderschwerpunkt „Kultur – zugänglich in der Stadt und auf dem Land“ ausgeschrieben wurde.

Ausgangslage

Die Bevölkerungsgruppe älterer Menschen differenziert sich durch ganz unterschiedliche Lebenssituationen und Lebensentwürfe sowie durch verschiedene kulturelle und religiöse Prägungen immer stärker aus. Der Umgang mit dieser Vielfalt ist eine Herausforderung für alle Teile der Gesellschaft. Im Bereich von Kultur und Bildung wächst der Bedarf an qualitativ hochwertigen Angeboten, die die Lebenserfahrungen und -umstände älterer Menschen berücksichtigen und es ihnen ermöglichen, sich kulturell zu beteiligen. Denn die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur ist für viele ältere Menschen ein Türöffner zu sozialer Teilhabe und höherer Lebensqualität.

Für den Kulturbetrieb bedeutet die Auseinandersetzung mit dieser stetig wachsenden Zielgruppe, dass bestehende Angebote und Formate angepasst und ausgeweitet werden müssen, um sie für die große Nutzergruppe attraktiv zu machen, aber auch um Besucherrückgängen insgesamt entgegen zu wirken. Denn mit der Öffnung kultureller Institutionen für eine zeitgemäße Altenkulturarbeit entstehen zusätzlich neue Möglichkeiten der Publikumsentwicklung und der Zusammenarbeit, beispielsweise mit Akteuren aus der sozialen Altenarbeit. Die Einrichtungen benötigen dabei jedoch Hilfestellung in Form von Weiterbildung, Beratung, Vernetzung, Expertise, Wissensressourcen und Erfahrungstransfer aus schon erprobter Praxis.

Aufgaben und Angebote

Die Aufgaben von kubia liegen in der Bündelung und Aufbereitung von Information, Vernetzung, Beratung und Qualifizierung, Forschung und Projektdurchführung im Themenfeld auf Landes-, Bundes- und Europaebene. Das Angebot richtet sich an öffentliche Kultureinrichtungen und -verwaltungen, an Kulturpädagogen und Künstler sowie an Tätige in der sozialen Altenarbeit und Pflege.

kubia unterstützt mit seinen Aktivitäten und seinem Service Kulturakteure und Einrichtungen in NRW bei der Entwicklung zukunftsgerechter Konzepte und innovativer Modelle angesichts des demografischen Wandels. Dies geschieht u.a. durch Aufbereitung von Expertenwissen, Materialien und Veranstaltungshinweisen auf der Internetseite www.ibk-kubia.de und im regelmäßig erscheinenden Newsletter, durch Fortbildungen, wie der berufsbegleitenden Weiterbildung „Kulturgeragogik – Kulturarbeit mit Älteren“ www.kulturgeragogik.de und der Fortbildungsreihe KulturKompetenz+, Fachveranstaltungen und Beratungsangebote.

Förderfonds Kultur & Alter

Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt durch den Förderfonds Kultur & Alter Projekte, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Entfaltung der ästhetischen, kommunikativen und sozialen Bedürfnisse und Fähigkeiten älterer Menschen zu fördern. Ziel ist die Erhaltung und Weiterentwicklung der kulturellen und sozialen Teilhabe und Lebensqualität hin zu einem aktiven Altern.

Mit dem Förderfonds stellt das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport jährlich rund 138 000 Euro für die Kulturarbeit für und mit Älteren zur Verfügung. Gefördert werden nordrhein-westfälische Kulturschaffende, kommunale und freie Kulturinstitutionen sowie Einrichtungen der sozialen Altenarbeit, die in Zusammenarbeit mit einer Künstlerin, einem Künstler oder einer Kultureinrichtung ein künstlerisches Projekt mit älteren Menschen umsetzen.

Vorrangig werden Projekte mit folgenden Zielen gefördert:

  • Erprobung neuer (partizipativer) Formen der Kulturarbeit mit älteren Menschen;
  • Öffnung neuer Zugänge in Kultureinrichtungen für ältere Menschen;
  • Anregung eines intergenerationellen Dialogs durch Kulturarbeit;
  • Thematisierung interkultureller Aspekte in der Arbeit mit Älteren;
  • Entwicklung neuer Vermittlungsformate, die die kulturelle Teilhabe von älteren Menschen fördert, die nicht (mehr) an Kultur teilhaben;
  • Kooperation von Trägern aus dem Kultur- und Sozialbereich, um Ressourcen und Kompetenzen beider Bereiche zusammenzuführen;
  • Kooperation und Vernetzung verschiedener Akteure der Altenkulturarbeit in der Kommune, der Region bzw. dem Land Nordrhein-Westfalen;
  • sowie Projekte, die eine besondere künstlerische Qualität haben.

Für die Auswahl der durch den Förderfonds Kultur & Alter zu fördernden Projekte des Folgejahres reichen die Antragstellenden bis zum 10. Oktober eines jeden Jahres zunächst ein Projektdatenblatt beim Kompetenzzentrum für Kultur und Bildung im Alter, Remscheid (kubia) ein. Ein Beirat entscheidet über die Auswahl der eingegangenen Projektvorschläge.

Weitere Informationen zur Ausschreibung und den Förderkriterien sowie das Formular Projektdatenblatt finden Sie unter www.ibk-kubia.de/foerderfonds

Projektvorstellung „HeimArt – Wurzeln, Käfig, Flügel“

Das intergenerationelle und multimediale Theaterprojekt wurde im Jahr 2014 durch den Förderfonds Kultur & Alter gefördert. Träger und Antragsteller des Projekts war das Mehrgenerationenhaus in Saerbeck www.kolping-saerbeck.de/index.php.

Besonderes Merkmal für die Auswahl des Projekts war die intergenerationelle Kulturarbeit im ländlichen Raum. Alt und Jung setzten sich via Theater, Tanz, Video und einer Schreibwerkstatt mit dem Thema Heimat auseinander, als Ergebnis entstand eine multimediale Collage, die in mehreren Aufführungen präsentiert wurde. Das Projekt wurde durch zwei Theaterpädagoginnen künstlerisch begleitet.

Finden sonst Projekte dieser Art und Größe meist in Städten oder Stadtteilen Gehör, so hat das Projekt bewiesen, welche Chancen auch in der Kulturarbeit im ländlichen Raum liegen. In dem Projekt kamen Menschen unterschiedlicher Herkunft und ein Asylbewerber zusammen – Integration und Zusammenwachsen der Menschen wurden gelebt. Die ganz verschiedenen Gruppen und Genres wie Volkstanz, Hip-Hop und Rap lernten sich kennen und gegenseitig wertschätzen. Im Anschluss an die Förderung hat sich ein Folgeprojekt „HeimART II“, u.a. unterstützt durch lokale Sponsoren, entwickelt.

Ergebnisse des Workshops

In ländlichen Räumen werden Kunst- und Kulturangebote vielfach von ehrenamtlich tätigen lokalen Akteuren gestaltet. Projektarbeit im ländlichen Raum hat den Vorteil der kurzen Wege, einzelne Akteure sind gut vernetzt. Um Kulturelle Bildungsangebote nachhaltig zu sichern, sollte der Fokus dieser Angebote auf die Menschen vor Ort gerichtet sein und als ein Beitrag zur Identitätsbildung verstanden werden. Die Angebotsstruktur muss vielfältig und finanziell abgesichert sein, damit sie beständig ist und die Menschen vor Ort darauf aufbauend ein kulturelles Engagement entwickeln können. Oft reicht eine Anschubfinanzierung, um die Begeisterung und die Bereitschaft zur Finanzierung der Projekte zu wecken

Besonders wichtig ist, dass die Angebote Menschen aus allen Altersgruppen erreichen, um die Identifikation mit der Region zu stärken. Ein gutes Kulturangebot, unterstützt durch die professionelle Begleitung einer Künstlerin oder eines Künstlers, bringt die Menschen zusammen, wirkt identitätsstiftend und steigert die Lebensqualität eines Ortes. Es ist ein wichtiger Standortfaktor, der Menschen dazu bewegt im Ort zu bleiben und ihn aktiv mitzugestalten. Eine Sicherung und Verbesserung der kulturellen Strukturen kann durch Kooperationen, Vernetzung oder Arbeitsteilung aller Akteure, der Verwaltung, Kunst- und Kulturschaffenden und den Bürgerinnen und Bürgern erreicht werden.

Intergenerationelle Kulturarbeit kann den Zusammenhalt Einzelner in einer Gesellschaft fördern und bietet gleichzeitig die Möglichkeit voneinander und miteinander zu lernen, Schwieriges zu meistern und gemeinsam Spaß und Freude zu erleben.

Kurzdarstellung Autorin

Magdalena Skorupa (M.A.), Studium der Pädagogik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Kompetenzzentrums für Kultur und Bildung im Alter (kubia) im Institut für Bildung und Kultur e.V. in Remscheid. Dort ist sie unter anderem zuständig für die Betreuung des „Förderfonds Kultur & Alter“ und für die Organisation des Aktionstages „Lang lebe die Kunst!“. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der intergenerationellen Kulturarbeit sowie in dem Themenfeld „Alter(n)sbilder“.

Kontakt

Institut für Bildung und Kultur e.V.
kubia – Kompetenzzentrum für Kultur und Bildung im Alter

Küppelstein 34, D – 42857 Remscheid
skorupa@ibk-kultur.de
Tel. +49 2191 794 299
www.ibk-kubia.de

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Daniel Hoffmann

Seit 1995 Mitarbeiter im Kuratorium Deutsche Altershilfe in Köln. Projektleiter des Forum Seniorenarbeit NRW und verantwortlich für den Themenschwerpunkt "Engagement älterer Menschen in der digitalen Gesellschaft".
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