Hochaltrige Menschen leiden unter Kontaktbeschränkungen, empfinden aber höhere gesellschaftliche Wertschätzung

Bericht zu wahrgenommenen Auswirkungen der Pandemie auf die Lebenssituation von Menschen über 80 Jahren

Hochaltrige Menschen über 80 Jahren erleben die durch die Corona-Pandemie bedingten Veränderungen zumeist als Belastung – aber machen auch positive Erfahrungen. So haben viele ältere Frauen und Männer Angst oder fühlen sich hilflos. Es gibt aber auch diejenigen, die in der Pandemie aktiv durch individuelle Bewältigungsmechanismen ihr Wohlbefinden aufrechterhalten. Das ist eines der Ergebnisse der vom Bundesseniorenministerium geförderten Studie „Hohes Alter in Deutschland“ (D80+).

Der nun vorliegende erste Bericht „Wahrgenommene Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Lebenssituation älterer Menschen“ der Studie zeigt, dass die Erfahrungen Hochbetagter sehr unterschiedlich sind. Während manche Ältere zu Corona-Zeiten weniger soziale Unterstützung erhalten, bekommen andere mehr Hilfe als sonst. Die Kontaktbeschränkungen wurden überwiegend als Belastung wahrgenommen. Daneben gibt es aber auch positive Veränderungen, beispielsweise in der wahrgenommenen gesellschaftlichen Wertschätzung.

Immer mehr Menschen erreichen in Deutschland ein sehr hohes Alter, aktuell sind es 5,9 Millionen Menschen über 80 Jahren. Dennoch ist über die Lebensqualität der Hochaltrigen wenig bekannt. Insbesondere in Zeiten von Covid-19 ist es notwendig, ein aktuelles Bild der Lebensqualität hochaltriger Menschen zu erhalten. Der erste Bericht des D80+-Projektes beschreibt die von sehr alten Menschen selbst wahrgenommenen Veränderungen während der Pandemie. Er basiert auf Angaben von mehr als 10.000 zufällig ausgewählten Personen im Alter von 80 Jahren oder älter im gesamten Bundesgebiet, die zwischen November 2020 und April 2021 befragt wurden.

Die wichtigsten Ergebnisse des Berichts im Überblick:

Insgesamt 5 Prozent der Über-80-Jährigen berichten von einer eigenen Corona-Erkrankung. Insbesondere Frauen, Personen in älteren Altersgruppen und Heimbewohnerinnen und -bewohner sind häufiger erkrankt als andere.

Abstandsregelungen und Kontaktbeschränkungen sind das wichtigste Thema. Sozialen Kontakten und Zusammenhalt kommt immer größere Bedeutung zu. Erfreulich ist: Das Vertrauen in die eigene Nachbarschaft ist für einen erheblichen Teil der sehr alten Menschen in der Pandemie noch gestiegen.

Die meisten hochaltrigen Menschen geben an, dass sich ihre Lebenssituation in wichtigen Lebensbereichen durch die Pandemie nur wenig verändert hat.

Lange Lebenserfahrung und biographische Ereignisse wie Kriegs- und Nachkriegszeit helfen Hochbetagten, Erkrankungen und Einschränkungen zu bewältigen.

Viele sehr alte Menschen konnten von der pandemiebedingten Ausweitung digitaler Angebote nicht profitieren. Nur ein Viertel der hochaltrigen Menschen, die online sind, berichten über Veränderungen in der eigenen Nutzung des Internets durch die Corona-Pandemie.

Die Studie „Hohes Alter in Deutschland“ (D80+) wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und vom Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Sciences of Health (ceres) sowie dem Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) durchgeführt.

Bis Herbst 2022 sollen neun weitere Kurzberichte folgen, die die Themen soziale Ungleichheit und Einkommensungleichheit, Digitale Teilhabe, Gesundheits- und Krankheitserleben, Versorgung von Menschen mit Demenz, Einsamkeit, Soziale Unterstützung, Wohnumfeld und Alltagskompetenz, Präferenzen und Wünsche, sowie Zufriedenheit und Wohlbefinden in den Blick nehmen.

Die Berichte und weitere Informationen finden sich auf der Website von

ceres – Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Sciences of Health und dem

Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA)

(Quelle: Pressmitteilung des BMFSFJ vom 22.11.21)

Letzte Aktualisierung: 22. November 2021

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