„Kompetenzbilanzierung und Talentgewinnung mit dem Ehrenamt KomPass“

Workshop 11 der Herbstakademie 2017: „Kompetenzbilanzierung und Talentgewinnung mit dem Ehrenamt KomPass“

Der Workshop bestand aus einer theoretischer Einweisung in die Systematik und den Ablauf des Prozesses, der üblicherweise vier Tage dauert, sowie einen Selbsterfahrungsanteil. Dabei wurden in vier Gruppen vier der sechs Felder des Ehrenamt KomPasses bearbeitet. Zunächst wurden im Plenum alle Felder und die Aufgabenstellungen erläutert. Am Ende wurden die Gruppenergebnisse wieder in das Plenum getragen. So ergab sich für Alle ein guter Überblick über die Methoden.

Warum ein Verfahren zur Gewinnung und Bindung von Interessierten?

Im Engagementsektor ist bei der Gewinnung von Freiwilligen ein ähnliches Umdenken erforderlich, wie bei Arbeitgebern bei der Fachkräftegewinnung und -bindung. Wenn Potenziale erkannt, Talente und Neigungen herausgearbeitet und bevorzugte Tätigkeitsfelder definiert werden, kann von Anfang
an das passende Tätigkeitsfeld gefunden und die Bleibewahrscheinlichkeit Engagierter nachhaltig erhöht werden. Trotz wachsender Nachwuchsprobleme hat sich bei der (nachberuflichen) Orientierung für ein Ehrenamt oder vor der Entscheidung für eine freiwillige Tätigkeit noch kein Verfahren etabliert. Diese Lücke kann der Ehrenamt KomPass schließen. Er ist sowohl ein Kompetenz-Pass über Fähigkeiten und Stärken als auch ein richtungsweisender Kompass zur Bestimmung optimaler Einsatzbereiche Interessierter im Freiwilligen- und Ehrenamt. Grundlagen sind der Life-Work-Planning-Ansatz von Richard N. Bolles, der auch beim TalentKompass NRW Pate stand (im Jahre 2013 vom damaligen Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen veröffentlicht), das Züricher Ressourcen Modell (ZRM®), Design Thinking und andere bewährte, abwechslungsreiche und kreative Methoden.

Nutzen für die Fachkräfte?

Mit diesem Instrument können sie die oft unbewussten oder teilbewussten Kompetenzen von interessierten Freiwilligen im Einsatzmanagement sichtbar machen. Sie wissen, was die Freiwilligen gerne tun, welche Eigenschaften sie auszeichnen, welches Wissen/welche Erfahrungen sie gerne anwenden/weiter geben möchten, welche Interessengebiete sie bevorzugen, mit welchen Personen sie gerne umgehen, unter welchen Rahmenbedingungen sie sich einbringen können und welche Werte/Motive sie antreiben. Diese Erkenntnisse ermöglichen die gemeinsame Definition adäquater Tätigkeitsfelder und konkreter Handlungsempfehlungen für die Interessierten. Der Ehrenamt KomPass kann in Gruppen- und Einzelsettings genutzt werden und wird als Fortbildung für Beratende angeboten. Sie durchlaufen den Prozess mit einem hohen Selbsterfahrungsanteil und führen parallel ein Transfer-Buch, um das Erlebte und weitere Ideen für die konkrete und nachhaltige Umsetzung im eigenen Beratungsalltag festzuhalten.

Nutzen für die ehrenamtlich Interessierten?

Sie erlangen umfassende, das Selbstbewusstsein stärkende Erkenntnisse über die eigenen Talente, Fähigkeiten und das im Laufe des Lebens erworbene Wissen. Die Beschäftigung mit den Interessen, individuellen Wertevorstellungen und Ansprüchen schafft Klarheit und weitet den Blick für mögliche Einsatzbereiche. Sie erkennen ihre einzigartigen Kompetenzen, entwickeln Visionen, treffen Entscheidungen für eine ehrenamtliche/freiwillige Tätigkeit selbstbestimmt und selbstverantwortlich und nutzen ihre Fähigkeiten und Talente direkt von Anfang an optimal. So können mehrfaches Ausprobieren/Wechseln von Einsatzgebieten und die damit verbundenen finanziellen und motivationalen Nachteile weitestgehend reduziert oder ganz vermieden werden.

Was passierte in der Gruppenarbeit?

Die Gruppen befassten sich mit den Feldern: Tun/Tätigkeiten, Eigenschaften, Werte und ehrenamtliche Rahmenbedingungen. Nicht bearbeitet wurden die Felder Wissen und Interessen. Die Dokumentation des eigenen Wissens hätte in diesem Rahmen keinen Nutzen gehabt. Das Feld Interessen ist in der Herleitung hingegen zu komplex. Alle Personen erhielten eine Mappe mit den ersten Seiten des Ehrenamt KomPasses sowie mit den Fragen, die die Teilnehmenden vor dem
Workshop zur Einstimmung nutzen, und den vorbereitenden Transfer-Fragen für die Fachkräfte. (Die pdf.-Datei dazu, die außerdem die Arbeitsblätter der Gruppe „Werte“ und die Entscheidungsmatrix der Gruppe „Tätigkeiten“ enthält, ist beigefügt.) Die Gruppenarbeit folgte dem grundsätzlichen Prinzip des Ehrenamt KomPass-Prozesses: Zunächst wird der Blick geweitet, es geht darum, möglichst viele Begriffe, Varianten und Möglichkeiten zu sammeln, um dann sich dann schrittweise auf essentielle Qualitäten, die jemanden ausmachen und die gerne gelebt werden, zu fokussieren. Wegen der Kürze
der Zeit sollte zumindest eine Person pro Gruppe den Prozess exemplarisch durchlaufen.

Die Gruppe „Eigenschaften“

Aus mehreren Bildern suchte jede Person ein Motiv mit einer für sie besonders positiven Wirkung aus. Angelehnt an den Ideenkorb aus dem ZRM® wurden diese Bilder dann – in einem konsequent ressourcenorientierten, wertschätzenden Austausch – beschrieben, Assoziationen und Ideen dazu wurden gesammelt und Eigenschaften entwickelt. Die Person, die dieses Bild ausgesucht hatte, wählte dann in Einzelarbeit zunächst alle Begriffe aus, die sie besonders positiv ansprachen, und traf anschließend eine Vorauswahl von 10 Eigenschaften. Um daraus wiederum drei, die sie besonders gerne lebt oder gerne häufiger leben würde, herausfiltern zu können, sollte die Person diese Begriffe schriftlich kurz definieren. Im Austausch darüber mit einer weiteren Person wurden dann die
tatsächlich dahinter stehenden, sich ähnelnden oder gegenseitig beinhaltenden Eigenschaften klarer. Sie wurden geclustert, priorisiert und am Ende kristallisierten sich 3 Lieblingseigenschaften heraus.

Die Gruppe „Tätigkeiten“

Die Personen verfassten zunächst in Einzelarbeit eine kurze Erfolgs-Geschichte über etwas, das ihnen in der Vergangenheit gut gelungen war. Dabei konnten sie das Erlebte ausformulieren und vorlesen oder Stichworte notieren und danach frei vortragen. Die übrigen Personen notierten beim Zuhören, welche Tätigkeiten und Fähigkeiten der/die Erzählende dabei gezeigt hat und auf welche weiteren Qualitäten diese schließen lassen. Aus den Nennungen der Zuhörenden und der eigenen Einschätzung suchte die Person dann zunächst alles aus, was sie gerne tut, tat oder zukünftig gerne häufiger tun möchte. Daraus traf sie eine Vorauswahl von 10 Tätigkeiten. Um sich von diesen 10 auf die drei Lieblings-Tätigkeiten zu fokussieren, erhielten die Teilnehmenden eine Entscheidungsmatrix.
Diese konnte in Einzelarbeit oder zu Zweit ausgefüllt werden.

Die Gruppe „ehrenamtlicher Rahmen“

Dazu zählen die formalen Umstände, unter denen ein Ehrenamt möglich ist, und das zwischenmenschliche Miteinander. Die Teilnehmenden näherten sich den Themen mit der Kopfstandmethode. Sie erfassten in Einzelarbeit zunächst, wie die Rahmenbedingungen und der Umgang mit den Menschen auf keinen Fall sein sollten. Dabei konnten sie auf eigene berufliche oder ehrenamtliche Erfahrungen zurückgreifen. Im zweiten Schritt übersetzten sie diese Negativ-Liste und
formulierten die wünschenswerten, idealen Bedingungen. Es folgte ein Abschreiberunde, um die eigene Liste durch Nennungen der anderen Gruppenmitglieder zu ergänzen. Die anschließende Diskussion trug zur Klärung der individuell wichtigsten Rahmenbedingungen bei.

Die Gruppe „Werte“

Alle beantworteten zunächst in Einzelarbeit Fragen nach Ereignissen und Personen, die sie in der Vergangenheit geprägt und dadurch zur Werteentwicklung beigetragen haben. Das diente ausschließlich der persönlichen Reflexion und wurde nicht in der Gruppe besprochen. Mit Hilfe einer Auflistung möglicher Werte wurden dann zunächst alle grundsätzlich relevanten Werte markiert, um sie dann in einem weiteren Schritt auf die 10 bedeutungsvollsten zu reduzieren. Diese wurden auf 10 Zetteln notiert. Damit konnte nun jede Person die eigenen Werte auf unterschiedliche Weise miteinander kombinieren, sortieren und anordnen, um durch diesen Prozess zu mehr Klarheit über die drei wichtigsten Werte zu kommen. Dabei unterstützten sie die anderen Gruppenmitgliederreihum, indem sie ebenfalls Vorschläge für die Gruppierung der Werte machten, die die jeweilige Hauptperson in die Entscheidungsfindung einbeziehen konnte.

Ergebnisse, Feedback

Die Teilnehmenden haben sich sehr gut auf den Selbsterfahrungsteil eingelassen. Besonders hervorgehoben wurde, dass ihnen in kurzer Zeit von fremden Menschen so viele positive, wertschätzende und unterstützende Feedbacks geschenkt wurden. Die Teilnehmenden haben sich gut aufgehoben gefühlt. Sie haben Erkenntnisse über die eigene Ehrenamtswahl gewonnen. Die Gruppen mit der Bildwahl und den Erfolgsgeschichten haben sogar nach Workshop-Ende die
Feedback-Übungen für alle Gruppenmitglieder beendet, weil es sie so begeistert hat, wie bereichernd die Beiträge der anderen Gruppenmitglieder für den Einzelnen/die Einzelne waren, und weil alle gespannt auf die Geschichten, Bilder und Ergebnisse der anderen waren.

Der Ehrenamt KomPass ist ein Angebot des SONNENWEG e.V., Jülich, Vorsitzende: Helga Maschke, Tel. 02461 344193, info@sonnenweg-verein.de, www.sonnenweg-verein.de. Ansprechpartnerin für den Ehrenamt KomPass: Susanne Knorr – stv. Vorsitzende, Tel.: 02463 7990218 oder mobil: 0173 9552405, E-Mail: mail@ehrenamtkompass.de, www.ehrenamtkompass.de

Anlage zur Dokumentation Workshop 11 Ehrenamt KomPass

Michael Ganter

Michael Ganter

Seit 2016 studentischer Mitarbeiter im Kuratorium Deutsche Altershilfe in Köln. Projektassistenz des Forum Seniorenarbeit NRW für die Bereiche DigiBE und LeNa
Michael Ganter

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